British American Tobacco Aktienanalyse

stabiles Tabakschwergewicht mit Potenzial

Für die meisten Dividendeninvestoren dürfte BAT kein wirklicher Geheimtipp mehr sein. Mit knapp 8% Dividendenrendite schafft es dieser Tabakriese an die Spitze vergleichbarer Unternehmen. Der Kritiker hingegen hält daran fest, Investieren in Tabak sei altmodisch und “out”. Wirft man jedoch einen genaueren Blick auf die Aussichten und Potentiale, ergibt sich überraschenderweise ein ganz anderes Bild. Im Folgenden möchten wir Ihnen zeigen, warum sich BAT für Sie als Investor für mehr als nur einen letzten Zug eignet!

Grundinformation

Wer ist British American Tobacco?

British American Tobacco (kurz BAT) ist ein Tabakkonzern aus UK, der weltweit zu den größten Unternehmen dieser Branche zählt. Mit einer Marktkapitalisierung von über 80 Milliarden USD (Stand Dezember 2021) umfasst BAT mittlerweile über 200 verschiedene Marken und gehört zu den größten Konzernen der Welt. Seit April 2019 wird British American Tobacco vom CEO Jack Bowles geführt.

Produkte

Grundsätzlich lässt das Produktportfolio von BAT in zwei Bereiche trennen. Neben den traditionell brennbaren Tabakprodukten hat der Konzern besonders in den letzten Jahren die Sparte der PRRP (Potenziell risikoreduzierte Produkte) gestärkt.

Brennbare Tabakprodukte

Zu den bekanntesten Marken gehören hierbei Lucky Strike und Pall Mall. Außerdem hält das Tabakunternehmen die Rechte an Dunhill, Vogue und HB. Selbstverständlich fallen noch viele weitere Tabakmarken in das Sortiment von BAT.

PRRP

Über die Marke glo bietet das Unternehmen sogenannte Tabakerhitzer an. Bei diesen werden Tabaksticks mittels Induktion erhitzt, sodass diese den Nikotinkonsum ohne die schädliche Tabakverbrennung möglich machen.

Mit der Marke vype werden auf dem deutschen Markt E-Zigaretten mit nikotinhaltigen und -freien Liquids angeboten.

Durch die Marke VELO bietet der Tabakkonzern seinen Konsumenten durch sogenannte „Pouches“ ein tabakfreies Nikotinprodukt an. Dabei wird ein „Pouch“ (engl. für Beutel) unter der Oberlippe platziert und das Nikotin somit ohne schädlichen Tabakkonsum über die Mundschleimhaut aufgenommen.

Marktanalyse

Marktanteil

Schlüsselt man die Marktanteile der Tabakindustrie nach dem Markenwert der jeweiligen Einzelunternehmen auf, ergibt sich das untenstehende Bild. Mit über 80 Milliarden USD Markenwert liegt BAT auf Platz 3 der weltweit wertvollsten Tabakunternehmen. Mit knappem Vorsprung befindet sich Altria auf Platz 2, Philip Morris hingegen findet sich relativ weit abgeschlagen auf dem unangefochtenen ersten Platz. Auffallend ist ebenfalls, dass sich diese Top-3 Unternehmen, gemessen an ihrem Markenwert, offensichtlich weit vor ihrer anderen Konkurrenz befinden.

Feststellen lässt sich also definitiv, dass BAT deutlichen Einfluss auf die weltweite Tabakindustrie hat, nach Markenwert geordnet zwar hinter seinen beiden Hauptkonkurrenten liegt, dennoch jedoch eine stabile Marktposition aufweisen kann.

bat markenwert unternehmen

Betrachtet man die Wettbewerbssituation einmal auf Ebene der Tabakmarken, befindet sich Marlboro, als wertvollste Zigarettenmarke, mit enormen Abstand auf Platz 1. Bei dieser Betrachtung wird erneut die Markenmacht von Philip Morris ersichtlich, denen sechs der meistverkauften Zigarettenmarken gehören. Zwar fällt Pall Mall, als zweitwertvollste Tabakmarke, in das Produktportfolio von BAT, dennoch scheint der Hauptkonkurrent Philip Morris hier ganz klar die Rangfolge anzuführen.

bat markenwert marken

Konkurrenten und Wettbewerbsvorteile

Unseren vergleichbaren Pool an Wettbewerbern haben wir hauptsächlich nach der Bekanntheit und der Unternehmenswerte dieser Konzerne erstellt. Dabei war es uns ebenfalls wichtig Vergleichbarkeit durch ähnliche Größe, Produktportfolio und Absatzmärkte herzustellen.

Definitiv fallen Philip Morris und Altria als bereits genannte Hauptkonkurrenten in die Vergleichsmenge. Aufgrund seiner ähnlichen Absatzmärkte, haben wir uns ebenfalls dazu entschieden, Imperial Brands als weiteres Tabakunternehmen in den direkten Vergleich mit einzubeziehen.

Aufgrund der relativ ähnlichen Produktportfolios fällt es uns schwer hierbei strukturelle Wettbewerbsvorteile zwischen den einzelnen Konkurrenten hervorzuheben. Besonders BAT, Altria und Imperial Brands bewegen sich bezogen auf ihre absoluten Umsatzzahlen in relativ ähnlichen Höhen. Herausstechend ist dabei wieder einmal Philip Morris, die im Jahr 2020 ungefähr das dreifache des BAT-Umsatzes erwirtschaften konnten.

Definitiv belegen sowohl BAT als auch Altria stabile Positionen innerhalb der Tabakindustrie, dennoch scheint Philip Morris beide aufgrund der unfassbaren Markenmacht deutlich zu überbieten. Möchte man in diesem Wettbewerb unbedingt einen klaren Gewinner bestimmen, scheint Philip Morris mit seiner aktuellen Aufstellung klare Vorteile zu haben.

Marktpotential

Intuitiv gedacht, scheint das zukünftige Potential der Tabakindustrie durch Verbote, Aufklärung und den gesellschaftlichen Wandel deutlich eingeschränkt zu sein. Immer weniger junge Leute beginnen in den westlichen Ländern zu rauchen und immer mehr Länder führen einen strengeren Kampf gegen die Verbreitung und den Verkauf von Tabakprodukten.

Betrachtet man diesen Markt jedoch rein quantitativ, ergibt sich ein etwas anderes Bild. Die Prognosen des weltweiten Umsatzes mit Zigaretten verzeichnen in den nächsten Jahren einen langsamen, aber stetigen Anstieg. Differenziert man dieses Wachstum geographisch, erkennt man, dass vor allem asiatische, afrikanische und mittelöstliche Länder starke Treiber des Marktes sind. In industrialisierten, westlichen Ländern hingegen, scheint das Wachstum, wie bereits erwartet, zu stagnieren.

bat umsatz zigaretten weltweit

Natürlich antizipieren auch die Tabakkonzerne die steigende Abneigung gegen klassische Tabakprodukte und versuchen ihr Produktportfolio deshalb umzustellen. Dies scheint vielen Tabak-Verbotstreibern auf den ersten Blick jedoch zu entgehen. Neuseeland beschließt im Dezember 2021 für alle Bewohnern, die aktuell noch unter 14 Jahren sind, den Tabakverkauf für ihr restliches Leben zu verbieten. Was dabei jedoch vergessen wird: Wer trotzdem rauchen möchte, kann einfach auf E-Zigaretten oder andere Alternativen umsteigen.

Da besonders bei den jüngeren Generationen solche elektrischen Nikotinverdampfer immer beliebter werden, wird ein solches Verbot nicht das Verlangen nach Nikotin, sondern einzig und allein den Verkauf von Tabakalternativen bestärken.

bat umstiegsgründe ezigarette

Die folgende Grafik schlüsselt einmal die prognostizierten Umsätze mit Nikotinprodukten, ausschließlich Zigaretten, für die nächsten Jahre auf. Insbesondere die Umsätze mit E-Zigaretten scheinen weiterhin zu florieren. Experten schätzen, dass der weltweite Umsatz mit dieser Tabakalternative bis 2030 auf 30 Milliarden USD gestiegen sein dürfte.

Auch sogenannte Nikotin-Pouches halten langsam aber sicher Einzug in die Produktportfolios der Tabakunternehmen. Dabei können sich die Konsumenten einen kleinen, sich auflösenden, Beutel unter der Oberlippe platzieren und nehmen so das Nikotin über die Mundschleimhaut, ohne schädliche Tabakverbrennung, auf.

Offensichtlich wird also, dass besonders weniger schädliche Tabakalternativen in den nächsten Jahren ein großes Marktpotential beherbergen und die Tabakkonzerne über dies genaustens Bescheid wissen. BAT versucht, wie bereits weiter oben aufgeschlüsselt, diese steigende Nachfrage durch Eigenmarken wie glo, vype und VELO zu bedienen.

bat umsatz nikotin produkte

Quantitative Analyse

Income Statement in Kürze

Bis 2015 musste BAT einen stetigen Umsatzrückgang verzeichnen. Diesen Trend konnte der Tabakkonzern 2017 nicht zuletzt durch die geschickte Übernahme der Reynolds American Inc., einer Holdinggesellschaft von einzelnen Tabakunternehmen, durchbrechen. Seit dieser Übernahme konnte in den Folgejahren ein deutliches Umsatzwachstum erzeugt werden. Der Jahresüberschuss entwickelte sich verhältnismäßig stabil in diesen Jahren. Die Verzerrung im Jahr 2017 kam durch die eben angesprochene Übernahme der RAI zustande.

Für das Gesamtjahr 2021 rechnen wir mit keinem weiteren Umsatzwachstum und prognostizieren mit knapp 25.800 Millionen GBP stabile Umsätze in Vorjahreshöhe. Da wir hier einen Tabakkonzern betrachten, reicht uns eine gewisse Stabilität der Umsätze vollkommen aus. Wir erwarten hier explizit keine Umsatzsprünge und prognostizieren ebenfalls keine großen Wachstumsraten in den nächsten Jahren.

bat umsatz gewinn

Eine gewisse Profitstabilität lässt sich ebenfalls bei Betrachtung der Margen beobachten. Positive Auswirkungen hatte die Akquisition der RAI in 2017, die die Gross Marge nochmals über 3% und die EBIT-Marge weitere 6% steigern konnte. Da die Synergien einer Firmenübernahme im Vorfeld oftmals deutlich überschätzt werden, rechnen wir BAT den Aufkauf positiv an und bemerken erneut die erfreuliche Auswirkung, die sich ebenfalls auf die Margen durchgeschlagen hat.

bat marge

Cash Flow Statement in Kürze

BAT konnte seinen Aktionären in den letzten Jahren absolut gesehen stets eine Steigerung der Dividendenzahlungen bescheren. Für das Jahr 2020 erhielt der Investor pro Aktie 2.16 GBP. Interessanter jedoch ist die Entwicklung der Dividendenrendite des Unternehmens. Seit dem beginnenden Kursverfall in 2017, verdoppelte sich die Dividendenrendite der Aktie auf aktuell knapp 8%. Damit zählt das Unternehmen für Aktionäre definitiv zu den rentabelsten Dividendenaktien.

bat dividende

Insbesondere in den Jahren bis 2014 konnte BAT damit überzeugen, beständig den gesamten erwirtschafteten Free-Cash-Flow per Dividenden und Aktienrückkäufe an seine Aktionäre zurückzugeben. Seit 2015 wuchs der FCF jährlich um beträchtliche Summen an und die Payout-Ratio pendelte sich bei durchschnittlich 67% ein. Wir bewerten dabei die Entwicklung des frei verfügbaren Cashflows in den letzten Jahren als einen weiteren Pluspunkt.

Die aktiven Aktienrückkäufe wurden dafür ab 2015 jedoch beendet, was sich in den Folgejahren natürlich auf die Ausschüttung an die Aktionäre negativ auswirkte. Wir sind überzeugt davon, dass bei der aktuellen Marktbewertung Rückkäufe eigener Anteile für das Unternehmen extrem wertstiftend wären. Die Unternehmensführung scheint dies, laut der Pre-Close Conference für das Jahr 2021, zu realisieren und wird dies hoffentlich im nächsten Geschäftsjahr umsetzen.

bat fcf und payout

Vergleichsanalyse

Wie bereits angesprochen, konzentrieren wir uns bei der Vergleichsanalyse primär auf die Hauptkonkurrenten in Form von Philip Morris, Altria und Imperial Brands. Dabei sind wir davon überzeugt, dass sich diese Unternehmen aufgrund ihrer Produktpaletten und ihrer Absatzmärkte am besten vergleichen lassen.

Ertragskraft

IndikatorBATPhilip MorrisAltriaImperial Brands
CAGR in %6,83%-0,22%0,76%1,65%

Betrachtet man die Compound Annual Growth Rates („CAGR“) der Umsätze der einzelnen Unternehmen seit 2012, erkennt man schnell, dass die Tabakkonzerne in den letzten Jahren wenige Treiber für weiteres Umsatzwachstum finden konnten. Allein BAT konnte durch die Übernahme von RAI seit 2017 weiteres Wachstum realisieren.

Wie bereits angesprochen, erwarten wir bei dieser Industrie jedoch überhaupt kein aggressives Wachstum. Ein Hauptaugenmerk legen wir besonders auf die Stetigkeit dieser Umsätze, starke jährliche Abschläge hingegen würden uns natürlich Sorgen bereiten. Da wir auch bei BAT in den nächsten Jahren mit keinem großen Wachstum mehr rechnen, scheinen alle betrachteten Konzerne dem Anspruch der Stetigkeit gerecht zu werden.

bat margenvergleich

Um eine gewisse Anschaulichkeit zu bewahren, haben wir in der obigen Grafik jeweils pro Unternehmen eine Farbe vergeben. Der jeweils höher liegende Graph beschreibt dabei die Gross Marge des jeweiligen Unternehmens, der darunter liegende gleichfarbige Graph bezieht sich hingegen auf die EBIT-Marge.

Die Gross-Margen der einzelnen Unternehmen berücksichtigen dabei keine abgeführten Tabak-Steuern, sondern ausschließlich die direkt zurechenbaren Produktionskosten.

BAT scheint bezüglich seiner Profitabilität auch im direkten Wettbewerbsvergleich zu überzeugen. Wie bereits angesprochen, konnte durch die Übernahme von RAI in 2017 bezüglich der Profitabilität nochmals deutlich aufgeholt werden. Zwar liegt Philip Morris bei seiner Gross-Marge noch ein bisschen über BAT, diesen Vorsprung holt der britische Tabakkonzern jedoch deutlich bei seiner EBIT-Marge wieder auf.

Ausschüttung/Payout

bat payout vergleich

Kleinere Abstriche jedoch muss der BAT-Investor im direkten Vergleich der jeweiligen Payout-Ratios machen. Seit 2015 liegt der britische Tabakkonzern mit durchschnittlich 67% deutlich unter den Werten seiner Konkurrenz. Zwar hat auch Philip Morris seit 2015 sein Aktienrückkaufprogramm beendet, liegt aber mit einer durchschnittlichen Payout-Ratio von knapp 100% deutlich über seinem britischen Pendant. Auch Altria und Imperial Brands schlagen sich historisch gesehen besser.

Dennoch möchten wir die Stabilität der Ausschüttungen bei BAT und die hoffentlich größer werdende Hoffnung auf erneute Aktienrückkäufe in den nächsten Jahren deutlich positiv hervorheben.

Bewertung und Résumé

Zusammenfassend lässt sich BAT als Schwergewicht in der Tabakindustrie bezeichnen, das sicherlich auch die nächsten Jahrzehnte nicht einfach wegzudenken ist. Mit einer guten Aufstellung in der Sparte der Tabakalternativen sind wir davon überzeugt, dass der Konzern auch in den nächsten Jahren seine Marktstellung erfolgreich verteidigen kann. Strengere Regulationen gegen Tabakprodukte in einigen Ländern können für die Industrie natürlich bedeutsame Risiken darstellen.

Aktuell beläuft sich der Aktienkurs, trotz des deutlich gesteigerten Umsatzes und einer sichtbaren Margenverbesserung, gerade einmal auf 54% des damaligen Hochs im April des Jahres 2017. Zu diesem Kurspotential wird der Investor mit aktuell knapp 8% Dividendenrendite im Jahr entschädigt. Selbst wenn die Kursgewinne also zunächst einmal unrealisiert bleiben sollten, bietet ein Investment in die BAT 8% laufenden Rendite pro Jahr.

Aktuelle Kursziele der führenden Banken (veröffentlicht zwischen November und Dezember 2021) belaufen sich von Goldman Sachs und Jefferies auf jeweils 37 GBP. JP Morgan befindet sich mit einem Kursziel von 31 GBP am unteren Rand der Prognosen. Die Deutsche Bank äußerte sich deutlich optimistischer und setzte Anfang Dezember 2021 ein Kursziel von 40 GBP an. (Stand 17. Dezember 2021)

Quellenverzeichnis

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Über den Autor

Felix Götz

Felix Götz

Felix ist angehender B.Sc. in Wirtschaftswissenschaften mit Studienschwerpunkt internationale Finanzökonomik. Schon bei unterschiedlichen Praktikas bei Größen in der Finanzbranche konnte er sein tiefgreifendes Finanzwissen unter Beweis stellen. Bei Aktienchecker ist er vor allem für die Erstellung von Artikeln zuständig.