Johnson & Johnson Aktienanalyse

Ist die "perfekte Aktie" wirklich so perfekt?

Besonders in den letzten Jahren musste das Image des amerikanischen Pharmariesens aufgrund vieler rechtlicher Streitigkeiten leiden. Doch könnte die Aussicht auf einen möglichen Corona-Impfstoffkandidaten endlich wieder frischen Wind in die Segel des Unternehmens bringen? Trotz der oftmals negativen Berichte in der Vergangenheit, schwören viele Anleger immer noch auf ihre „perfekte Aktie“. Doch wird J&J diesem Image wirklich gerecht?

Grundinformation

Wer ist Johnson & Johnson?

Der „ewige Gewinner im Portfolio“, „die sicherste Aktie der Welt“, „die Aktie aus dem Bilderbuch“ sind alles Namen mit welchen die Johnson & Johnson (J&J) Aktie von Investoren getauft wurde.

Hinter dem „Doppel-J“ steckt einer der größten amerikanischen Pharmazie- und Konsumgüterhersteller. Mit einer Marktkapitalisierung von circa 430 Milliarden US-Dollar ist es eines der größten und wertvollsten Unternehmen der Welt. Zudem gehört es zu den Unternehmensurgesteinen der Wirtschaftsgeschichte. So begannen die J&J Brüder bereits in den 1880er Jahren mit der Produktion und dem Vertrieb von medizinischen Verbandstoffen. Berühmt wurde der amerikanische Konzern auch durch einige unternehmerische „Fehltritte“. So wurde bereits Asbest im Babypuder nachgewiesen und aktuell muss sich das Unternehmen in den USA auch für seinen Einfluss auf die Opioidkrise verantworten. J&J wird vorgeworfen aggressives Marketing für synthetische Opiate betrieben zu haben und damit maßgeblich zu einem Aufflammen der Krise beigetragen zu haben.

Produkte

Das amerikanische Unternehmensschwergewicht hat eine enorme Produktvielfalt anzubieten. Um diese Produktvielfalt einmal zu veranschaulichen, betrachten wir ein paar der deutschen Marken.

Kosmetik- und Konsumgüter

Neben Pflegeprodukten für Babys und Neugeborene wie zum Beispiel Puder und Pflegecremen, verkaufen Tochterunternehmen der J&J auch Mundspülungen, Haarwachstumsmittel und weitere Pflegeprodukte.

Als bekannte Marken sind hierbei Bebe, Listerine oder Regaine zu nennen.

Pharmaprodukte und Medikamente

Neben Migränemitteln und Schmerzmedikamenten, fallen auch Aufbaupräparate für Reisen oder Tinkturen zur Behandlung für Schleimhautreizungen in das Produktportfolio der deutschen Tochtergesellschaft.

Bekannte Markennamen sind hierbei Dolormin, Tispol, Imodium oder Hexoral.

Marktanalyse

Marktanteil

Wie bereits erwähnt stellt der amerikanische Unternehmensriese einen „All-Rounder“ dar. Neben der großen Pharma- und Biotechsparte, spielen auch Produkte der Medizintechnik oder auch die Konsumgüterprodukte eine wichtige Rolle. Da Johnson & Johnson jedoch spezifisch für ihre Biotech- und Pharmaproduktsparte bekannt sind, wird im folgenden der Marktanteil in dieser Branche als repräsentativ für das Unternehmen angesehen.

Betrachtet man die Marktkapitalisierung im Markt der Biotech- und Pharmakonzerne so zeichnet sich ein deutliches Bild ab. J&J bildet mit einer Marktkapitalisierung von knapp 350 Milliarden USD im Jahre 2019 die wertvollste Unternehmensmarke in diesem Bereich. Mit deutlichem Abstand folgt auf Platz zwei der Schweizer Pharmariese Roche. Die darauffolgenden Plätze zeichnen sich durch marginale Unterschiede in der Unternehmenskapitalisierung aus.

Zu bemerken ist, dass sich die untenstehende Grafik auf die reine Marktkapitalisierung der einzelnen Unternehmen bezieht. Rückschlusse auf Umsatz- und Gewinnverteilung in dieser Branche sollten also nicht davon abgeleitet werden. Dennoch zeigt das Diagramm eine deutliche Marktmacht, die der amerikanische Konzern schlichtweg durch seine Unternehmensgröße und seinen inhärierten Wert besitzt. Dies sollte im Bezug auf eine Marktanalyse auf jeden Fall als sehr positiv bewertet werden.

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Splittet man nun den Gewinnanteil der größten Biotech- und Pharmakonzerne auf, so ergibt sich ein etwas anderes Bild. Zwar scheint Johnson & Johnson im Jahre 2019 mit 18.7 % sprichwörtlich der größte Gewinner der Branche gewesen zu sein, dennoch verringert sich der Abstand zu der Konkurrenz deutlich. Pfizer und Roche liegen mit ungefähr 13.5 % nahezu gleich auf und beanspruchen damit auch einen deutlichen Teil des erwirtschafteten Branchengewinns. Dennoch lässt sich schlussfolgern das der amerikanische Pharmariese seine Unternehmensgröße zu seinem Vorteil zu nutzen weiß und auch mit dem Gewinnanteil einen bedeutenden Platz in der Branche einnimmt.

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Marktpotential

Um das Marktpotential des, vielfältig aufgestellten, Unternehmens repräsentativ bewerten zu können, werden einzelne, besonders lukrative Sparten separat bewertet. Dabei wird sich der folgende Abschnitt auf die Medizintechnik- und Pharmasparte von Johnson & Johnson fokussieren. Etwaiges Potential im Bereich des Konsumgütermarkes wird dabei nicht weiter beleuchtet.

Medizintechnik

Beginnend mit der Medizintechnik zeigt sich, Hochrechnungen zufolge, ein deutlicher Trend. Das stetige Umsatzwachstum seit 2015 zeigt sich auch für die kommenden Jahre unbeeindruckt. Stattdessen rechnen Experten, dass langfristig gesehen der Bedarf nach weiteren technischen Hilfsmitteln in der Medizin immer stärker zunehmen wird.

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Als besonders positiv ist hierbei die Position des amerikanischen Konzernriesen zu bewerten. Schätzungen zufolge, könnte die Sparte der Medizintechnik dem Unternehmen im Jahr 2024 bereits weit über 30 Milliarden USD pro Jahr einbringen. Vergleicht man dies mit den aktuellen Umsatzerlösen von 25 Milliarden USD, so scheint Johnson & Johnson die Entwicklung und das Potential dieses Marktes richtig eingeschätzt zu haben und es ist mit einer weiteren Steigerung des Umsatzes innerhalb dieser Branche zu rechnen. Zwar belegt, den Prognosen zufolge, der irische Konzern Medtronic weiterhin die Spitze der Rangfolge, dennoch scheint die Platzierung des amerikanischen Pharmariesen im Vergleich zu anderen Konkurrenten immer noch ausgezeichnet.

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Pharmazeutika und Arzneimittel

Betrachtet man die Pharmabranche als gesondertes Segment des Medizinmarktes, so scheint sich auch hier für Johnson & Johnson eine rosige Zukunft abzuzeichnen. Zwar sollte das Unternehmensschwergewicht Roche auch noch im Jahre 2026 an der Spitze der Nahrungskette stehen, doch mit prognostizierten Umsätzen von ungefähr 55 Milliarden USD pro Jahr befindet sich der amerikanische Großkonzern dicht auf den Fersen seines Schweizer Konkurrenten. Insgesamt scheint jedoch auch die weitere Konkurrenz ein Stück des Kuchens abhaben zu wollen. Novartis, Merck&Co und AbbVie befinden sich mit nur wenig Unterschied hinter J&J. In diesem Falle jedoch sollte man die Konkurrenz als Zeichen eines zukunftsträchtigen Marktes positiv bewerten.

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Innerhalb der Pharmabranche stellt besonders der Verkauf von verschreibungspflichtigen Präparaten ein wichtiges Segment dar. Die untenstehende Grafik bezieht sich dabei nur auf den erwirtschaften Umsatz durch den Vertrieb von Originalpräparaten und nicht durch den Vertrieb von Nachahmerpräparaten wie Generika. Auch in diesem Marktsegment lässt sich ein deutlicher Trend erkennen. Schätzungen zufolge dürfte sich der Umsatz im Jahre 2026 im Vergleich zu seinem Vergleichswert vor 10 Jahren bereits nahezu verdoppelt haben. Ob diese Entwicklung einer anderen Mentalität des Patienten oder einer zunehmenden Verschlechterung der Gesundheit geschuldet ist, lässt sich hierbei leider nicht feststellen.

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Differenziert man den Arzneimittelumsatz nach einzelnen Medikamenten so zeichnet sich ein weiterer deutlicher Trend ab. Besonders in Bereichen der Onkologie, der Krebsforschung, scheinen Medikamente von größter Bedeutung zu sein. Als auch immer wichtiger werdende Arzneimittel schätzen Experten Antidiabetika, Immunsuppressiva und Antirheumatika ein. Die Bedeutung von Impfstoffen dürfte, die in 2019 aufgestellte, Prognose durch die aktuellen Entwicklungen bereits weit übertroffen haben und ist damit sicherlich nochmals deutlich höher anzusetzen als in der untenstehenden Grafik aufgezeigt.

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Behält man die obige Umsatzverteilung einzelner Medikamente im Kopf und differenziert nun nach den wichtigsten Arzneimitteln, die J&J vertreibt, ergibt sich ein interessantes Bild. Die Medikamente Imbruvica, Darzalex und Zytica werden zur Behandlung bestimmter Krebsarten eingesetzt während Remicade ein Antirheumatika und Stelara ein Immunsuppressiva darstellt. Betrachtet man nun noch einmal die oben dargestellte Einschätzung medizinischer Experten bezüglich der Wichtigkeit einzelner Behandlungsformen und Medikamente, scheint J&J mit seinem Produktportfolio auch für die Zukunft gut aufgestellt sein. Dabei ist es mir wichtig an dieser Stelle zu erwähnen, dass hierbei keine Spekulation auf die Entwicklung schlimmer und schwerwiegender Erkrankungen gemacht wird. Doch nunmal existieren diese Erkrankungen leider und würden ohne eine medikamentöse Unterstützung noch viel höhere Todeszahlen fordern.

Inwiefern, insbesondere klassische, Medikamente gegen Krebs wirklich ihr eigentliches Ziel erfüllen, bewerten wir hierbei nicht. Dennoch ist es wichtig hinzufügen, dass insbesondere große Pharmaunternehmen wie beispielsweise Johnson & Johnson maßgeblich an der Forschung und Entwicklung neuer und innovativer Behandlungsmethoden im Bereich der Onkologie beteiligt sind. Neben der Kritik, ihr Geschäft nur auf Basis eines reinen Gewinnmaximierungskalküls zu betreiben, sollte der Kritiker diesen Unternehmen auch diese, oftmals bahnbrechenden, Entwicklungsfortschritte anrechnen.

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Quantitative Analyse

Umsatz- und Gewinnentwicklung

Wie man bereits intuitiv von einem Unternehmen dieser Größe erwarten würde, unterliegt das Umsatzwachstum des amerikanischen Großkonzerns nur geringen Schwankungen. Im Großen und Ganzen folgt das Wachstum einem langsamen aber stetigen Aufwärtstrend.

Einzig und allein im Jahre 2015 musste der Pharmariese einen Rückschlag einstecken. Die, aufgrund der fortgeschritten Kostenreduktion in Krankenhäusern, bereits schwächelnde Medizintechniksparte bereitete dem Unternehmen zunehmend Schwierigkeiten. Folglich entschlossen sich die Entscheidungsträger weitere Stellen in dieser Sparte zu streichen. Diese Umstrukturierung war zu diesem Zeitpunkt bis 2018 geplant und sollte umgerechnet künftig knapp eine Milliarde Euro pro Jahr vor Steuer einsparen. Zurückblickend hat sich diese Entwicklung auch positiv auf das Umsatzwachstum niedergeschlagen. So konnte das Großunternehmen sein bisheriges Umsatzwachstum bis über 2018 hinaus fortsetzen.

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Um die, oben bereits angesprochene, Umsatzumstrukturierung nochmals genauer analysieren zu können, schlüsselt die untenstehende Grafik den Umsatz von Johnson & Johnson nochmals nach seinen einzelnen Segmenten auf.

Besonders in den letzten Jahren scheint sich der amerikanische Großkonzern nicht mehr mit der Medizintechnikbranche anfreunden zu können. Zwar konnten im Jahr 2017 und 2018 wieder marginale Umsatzzuwächse verzeichnet werden, dennoch sind diese, verglichen zum Gesamtumsatzwachstum, vernachlässigbar. Dabei ist anzumerken, dass diese Umsatzstagnation keinesfalls durch fehlendes Potential der Medizintechnikbranche begründet werden kann, wie oben in der Marktpotentialanalyse aufgezeigt wird.

Es bleibt abzuwarten, inwiefern der amerikanische Großkonzern diese Schwäche beseitigen wird und ob er sich das zukünftige Potential des Medizintechnikmarktes zu nutze machen wird. Der Hauptbestandteil des Umsatzwachstums ist eindeutig der Pharmazeutikasparte zuzuordnen, was als besonders positiv zu bewerten ist. Speziell in dieser Branche scheint der amerikanische Großkonzern das Marktpotential gut ausnutzen zu können. Kombiniert man dies mit dem Ergebnis der obigen Marktanalyse, in welcher das Potential des Pharmamarktes hervorgehoben wurde, so sollte J&J auch der zukünftigen Entwicklung wohl gesonnen sein.

Auch wenn die Konsumgütersparte einen nur geringen relativen Umsatzanteil ausmacht, scheint diese trotz der Schwingungen des Umsatzes stetig konstant zum wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens beizutragen. Die Konsumgütersparte ist dabei als relativ sichere und risikoarme Branche einzuordnen, die auch meist als Krisengewinner hervorgehen. Zwar liegt der wirtschaftliche Fokus des amerikanischen Großkonzerns hauptsächlich auf der Pharma- und Medizintechniksparte, dennoch sollte man das sichere Standbein durch die Konsumgütersparte als weitere positive Eigenschaft hervorheben.

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Der Gewinn des amerikanischen Großkonzerns zeigt sich, in Gegensatz zur Umsatzentwicklung, eher turbulent. Besonders in den letzten Jahren musste J&J nach einigen Hochs auch wieder deutliche Rückschläge verzeichnen.

Als besonders herausstechend in dem untenstehenden Diagramm zeichnet sich der Gewinn im Jahr 2017 ab. Die, Ende 2017 angekündigte, Steuerreform des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump zwang das Management zu der Entscheidung, circa 14 Milliarden Dollar vorsorglich zurückzustellen. Unter dem Strich verblieb so für das Jahr 2017 ein „Reingewinn“ von ungefähr 1,3 Milliarden Dollar. Mit dieser Begründung im Hinterkopf sollte der Gewinnausweis im Jahr 2017 also keineswegs zu Verunsicherungen führen.

Dennoch zeigt sich besonders in den letzten beiden Jahren ein leichter Gewinnrückgang. Diese Entwicklung liegt primär in den hohen Kosten für Rechtsschutz und Strafzahlungen begründet. So musste sich der amerikanische Pharmariese bereits im Jahr 2018 in langwierigen Prozessen dem Vorwurf, krebserregenden Babypuder verkauft zu haben, stellen. Das Unternehmen wies diese Vorwürfe zurück. Im Frühjahr 2020 wurde der Verkauf zwar in Nordamerika gestoppt, dennoch vertraue das Unternehmen weiterhin auf die Sicherheit des Produktes.

Aktuell musste sich auch vor dem Strafgericht in Oklahoma verantworten. Nachdem die Opioidkrise in den Vereinigten Staaten in den letzten Jahren vollkommen außer Kontrolle geraten ist, begannen Richter und Politiker große Pharmaunternehmen in Rechenschaft zu ziehen und ihre Werbemethoden für etwaige, schnell abhängig machende Schmerzmittel in Frage zu stellen. Das Unternehmen weist auch in diesem Punkt jegliche Schuld von sich.

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Dividenden

Aufgrund seiner weit zurückreichenden Firmenhistorie und seiner stetigen Dividendenerhöhung zählt der amerikanische Großkonzern zu den sogenannten Dividendenaristokraten. Anleger und Investoren dürfen also bereits seit über 25 Jahren mit stetig wachsenden Dividendenausschüttungen rechnen. Selbst die Corona-Krise in 2020 konnte das Pharmaschwergewicht nicht von seiner bisherigen Laufbahn abbringen. Trotz deutlich spürbarer Einschnitte durch die Pandemie ist der absolute Betrag, der in 2020 ausgezahlten Dividenden, gestiegen. Experten zufolge dürften potentielle Anleger auch in den nächsten Jahren mit weiterhin steigenden Dividendenausschüttungen rechnen.

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Vergleicht man J&J innerhalb seiner Pharmabranche mit seinen größten Konkurrenten bezüglich der Dividendenrendite, so muss sich der Dividendenaristokrat leider mit dem vorletzten Platz zufrieden geben. Besonders das Schweizer Pendant Roche und amerikanische Pharmakonzern Pfizer übertreffen Johnson & Johnson hinsichtlich der Dividendenrendite bei weitem.

Da in der untenstehenden Übersicht jedoch natürlich nur die größten und damit in gewisser Hinsicht auch erfolgreichsten Unternehmen zum Vergleich heran gezogen wurden, sollte man die Platzierung des amerikanischen Großkonzerns nicht allzu schwer gewichten.

Dividendenrendite 2019

IndikatorJ&JRocheMerckNovartisPfizer
Dividendenrendite2,572,932,482,933,73
Dividende / Aktie (in €)3,088,351,862,51,2

Forschung und Entwicklung

Besonders in Bereich der Pharmazie ist eine unablässige Forschung und Verbesserung bestehender Präparate maßgeblich am zukünftigen Erfolg des Unternehmens beteiligt. Das Potential, das für die Forschung und die Entwicklung eingesetzte Kapital effizient zu nutzen, zeigt sich im vergangenen Jahr sehr gut.

Bereits im März 2020 begann der Pharmariese mit ersten Entwicklungen hinsichtlich eines Impfstoffkandidaten. Ein halbes Jahr später, im September 2020, lief bereits die Phase-1-Studie an, in welcher der Impfstoff an den ersten Probanden getestet wurde. Aktuell zwar gibt es einige Bedenken hinsichtlich der Wirksamkeit dieses Impfstoffes, dennoch zeigt das vergangene Jahr wie schnell und effizient ein Unternehmen dieser Größe im Bereich der Forschung und Entwicklung agieren kann.

Als maßgeblich positiv sind also auch die, in den letzten Jahren, steigenden Ausgaben für die Forschung und Entwicklung im Bereich Pharmazie zu bewerten.

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Finanzielle Stabilität

Hinsichtlich der Stabilität des Unternehmens ist es immer sinnvoll die relevanten Kennzahlen mit anderen Unternehmen der Branche zu vergleichen. Da sich die Produktpalette von J&J über mehrere Sparten hinweg erstreckt, beschränken wir uns im Folgenden auf die Pharmaziesparte. Um auch eine Vergleichbarkeit zwischen den unterschiedlichen Bereichen der Analyse herzustellen, beschränken sich alle Tabellen und Branchenvergleiche auf die jeweils selben Konkurrenten.

Betrachtet man die Eigenkapitalquote des amerikanischen Pharmariesen so liegt diese mit knapp 38% im ungefähren Durchschnitt der Branche. Die jeweils vergleichen Pendants weisen ähnliche bis leicht höhere EK-Quoten aus. Hinsichtlich der schieren Unternehmensgröße wäre es sicherlich nicht zu gewagt die Johnson & Johnson AG bereits nahezu als „too big to fail“ einzuordnen. Dies sollte natürlich niemals ein auffallend niedriges Eigenkapital legimitieren, dennoch scheint die Eigenkapitalquote des amerikanischen Großkonzerns genügend finanzielle Stabilität zu gewährleisten.

Betrachtet man den Verschuldungsgrad der einzelnen Unternehmen so zeigt sich ein ähnliches Bild auf. Insgesamt scheint J&J hinsichtlich seiner relativen finanziellen Stabilität sehr seinem amerikanischen Äquivalent zu entsprechen.

Auch hinsichtlich des systematischen Risikos ergibt sich keine auffallende Kennzahl. Mit einem Beta von 0.7 schwankt der Aktienkurs unterdurchschnittlich zu seinem unterliegenden Index (Dow Jones).

Stabilitätskennzahlen 2019

IndikatorJ&JRocheMerckNovartisPfizer
Eigenkapitalquote37,743,1730,8146,9337,88
Verschuldungsgrad165132225113164
Beta0,70,240,440,540,64

Konkurrenz

Hinsichtlich der Konkurrenz beschränken wir uns im Folgenden auf die größten Konkurrenten in der Pharmabranche. Zwar erstreckt sich das Angebot des amerikanischen Großkonzerns auch auf andere Sparten und Branchen, um jedoch Vergleichbarkeit zu den anderen Abschnitten herzustellen, steht bei der Konkurrenzanalyse primär der Pharmasektor im Fokus.

Hoffman-La Roche AG ist ein Schweizer Pharmaunternehmen und gleichzeitig das weltweit umsatzstärkste Unternehmen in diesem Bereich.

Gefolgt wird der Schweizer Konzernriese von seinem ebenfalls schweizerischen Pendant Novartis und dem amerikanischen Äquivalent Pfizer.

Merck hingegen ist ein deutsches Unternehmen der Chemie- und Pharmaindustrie und stellt eines der ältesten Unternehmen dieser Art dar.

Grobe Kennzahlanalyse

Betrachtet man die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) der einzelnen Unternehmen, so zeigt sich das J&J mit 25.5 am oberen Ende der Skala abschneidet. Kritiker könnten deshalb Rückschlusse auf eine Überbewertung folgern, dennoch sollte dies natürlich nicht an einer einzigen Kennzahl festgemacht werden.

Berücksichtigt man die Historie des Unternehmens und die zurückliegende Entwicklung, so sollte eine extreme Überbewertung des Unternehmens mit ziemlicher Sicherheit ausgeschlossen sein. Zwar stellt das amerikanische Großunternehmen bereits seit Jahren den sicheren Hafen für viele Investoren dar, dennoch musste das Unternehmen besonders aktuell mit der Corona-Krise auch einige Rückschläge einstecken. Zeichen einer aktuellen Überbewertung sollten auch hinsichtlich der Unsicherheit bezüglich des von J&J hergestellten Impfstoffes aktuell also nicht vorhanden sein.

Als besonders herausragend stellt sich das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) heraus. Besonders im Jahr 2019 schienen die Anleger optimistisch bezüglich der zukünftigen Gewinnentwicklung des Unternehmens. Zwar ist diese Kennzahl innerhalb des letzten Jahres 2020 wieder etwas gesunken, liegt aktuell jedoch immer noch über dem Branchendurchschnitt. Anleger und Investoren scheinen den amerikanischen Pharmariesen also weiterhin als den Fels in der Brandung in diesen Zeiten zu sehen.

Kennzahlen 2019 im Vergleich

IndikatorJ&JRocheMerckNovartisPfizer
KGV25,519,5123,6920,2513,42
KCF (in %)23,8711,8517,1917,2217,26
KUV (in %)6,814,394,934,940,01
KBV9,48,18,924,233,43

Potential und Résumé

Besonders überzeugen konnte uns der amerikanische Großkonzern hinsichtlich des Marktpotentials. Prognosen zufolge bietet besonders der Pharmazeutikamarkt in den nächsten Jahren weiterhin ein gutes Wachstumspotential. Umso erfreulicher ist es, dass sich J&J in den letzten Jahren mehr von seiner Medizintechnikbranche gelöst hat und das Umsatzwachstum primär den steigenden Verkäufen von Pharmaprodukten geschuldet ist. Analysiert man das Produktportfolio des Pharmariesen etwas genauer, so scheint es als könne das Unternehmen die steigende Nachfrage in bestimmten Bereichen der Medizin in den nächsten Jahren gut bedienen.

Als negativ sind jedoch etwaige Gerichtsprozesse und Strafzahlungen zu bewerten. Besonders wegen solchen Prozessen musste das Unternehmen in den letzten Jahren immer wieder größere Rückstellungsbeträge bilden, was sich auch in der Gewinnhistorie des Unternehmens niedergeschlagen hat. Inwieweit bestimmte Anklagepunkte auch die moralische Integrität des potentiellen Anlegers beschneiden, sollte jeder für sich selbst bewerten.

Dem Image eines Dividendenaristokraten jedoch konnte das Unternehmen ohne Zweifel gerecht werden. Stetig steigende absolute Dividendenbeträge, auch während der Corona-Krise, könnten vor allem passiven Investoren sehr zu gute kommen.

Insgesamt erfüllt Johnson & Johnson also die Vorstellung des „Felsen in der Brandung“, an den sich Anleger auch in unsicheren Zeiten klammern können. Man kann dem Unternehmen besonders in der Pharmabranche ein mögliches Wachstumspotential nicht absprechen, dennoch sollte der interessierte Anleger nicht erwarten, dass er mit dem amerikanischen Großkonzern eine „Turbo-Wachstumsaktie“ in sein Portfolio aufnimmt. Dieser sollte lieber die Stetigkeit und die Sicherheit, die durch die jeweiligen finanziellen Stabilitätskennzahlen unterstrichen wird, schätzen, die dieses Unternehmen seinen Anlegern bietet.

Quellenverzeichnis

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Über den Autor

Felix Götz

Felix Götz

Felix ist angehender B.Sc. in Wirtschaftswissenschaften mit Studienschwerpunkt internationale Finanzökonomik. Schon bei unterschiedlichen Praktikas bei Größen in der Finanzbranche konnte er sein tiefgreifendes Finanzwissen unter Beweis stellen. Bei Aktienchecker ist er vor allem für die Erstellung von Artikeln zuständig.