LVMH Aktienanalyse

Ein zahmer Riese?

Taschen von Louis Vuitton, Schuhe von Christian Dior und danach ein Glas Champagner von Moët und Chandon. Was sich wie der typische Wochenendtag eines Münchner Start-Up Gründers anhört, gehört eigentlich in das Produktportfolio einer der bedeutsamsten Konzerne unserer Zeit. Mit über 70 verschiedenen Marken aus der Luxusgüterbranche, besetzt LVMH den unangefochtenen Platz eins in dieser Industrie. Lohnt es sich für den kleinen Anleger bei dieser Aktie dennoch einen Blick hinter die Kulissen zu werfen?

Pro
Hervorragende Marktposition
Wachstumspotential durch asiatische Märkte
Stabile Profitabilität
Stetige Dividendenzahlungen
Contra
Abhängigkeit von asiatischen Märkten
Kein Aktienrückkaufprogramm
Vergleichsweise geringe Ausschüttungsraten

Grundinformation

Wer ist LVMH?

LVMH Moët Hennessy – Louis Vuitton SE ist ist ein französischer Luxusgüterkonzern, mit Rechten an über 70 Luxusmarken, die weltweit vertrieben werden. CEO des Konzerns ist der Franzose Bernard Arnault, aktuell der drittreichste Mensch der Welt. Bekanntheit erlangte der Konzern in den letzten Jahren unter anderem durch seine zahlreichen Übernahmen bekannter Marken. So kaufte LVMH 2019 den US-Juwelier Tiffany für insgesamt über 16.2 Milliarden US-Dollar, einer der größten Übernahmen bis dato.

Produkte

Die Produktpalette der LVMH umfasst ein breites Spektrum an unterschiedlichen Konsumgütern, mit der Gemeinsamkeit, dass allesamt dem hochpreisigen Segment zuzuordnen sind.

Im Bereich der alkoholischen Getränke und Spirituosen zählen neben Moët & Chandon auch Dom Pérignon, Hennessy und Belvedere zum Firmenportfolio.

Im Bereich der Luxusmode umfasst der französische Großkonzern unter anderem die Marken Louis Vuitton, Givenchy, Céline, Kenzo und Fendi.

Neben zahlreichen Parfummarken konnte LVMH auch einige Uhren- und Schmuckmarken der Topklasse aufkaufen. Neben der Schweizer Uhrenmanufaktur Hublot, darf der französische Konzern seit neuestem auch den bekannten amerikanischen Juwelier Tiffany sein Eigen nennen.

Marktanalyse

Marktanteil

Betrachtet man den Umsatz der größten Luxusgüterhersteller weltweit im Jahre 2019 so zeichnet sich ein eindeutiges Bild ab. LVMH übertrifft seine Konkurrenz bei weitem und konnte im Jahre der Betrachtung einen Gesamtumsatz von über 50 Milliarden Euro erwirtschaften. Damit beträgt der Umsatz des französischen Luxuskonzerns beinahe das dreifache des Umsatzes der Unternehmensgruppe Kering, welche Platz zwei belegt. Eine Art Monopolstellung kann dem französischen Konzern also nicht abgesprochen werden.

Zwar finden sich auf den „absteigenden“ Plätzen ebenfalls vielversprechende Unternehmen, dennoch scheint LVMH die Nachfrage nach Luxusartikeln weitestgehend alleine zu befriedigen.

luxusgueter umsatz vergleich aktienchecker

Betrachtet man die Werte einzelner Luxusgüterhersteller, so fallen primär die ersten vier Marken auf. Besonders Louis Vuitton, Chanel, Hermès und Gucci scheinen hinsichtlich ihres Markenwertes die Rangfolge anzuführen. Louis Vuitton fällt in das Produktportfolio von LVMH, Gucci hingegen befindet sich in der Hand von Kering. Hermès und Chanel bilden zwar schon seit geraumer Zeit die letzte Festung unabhängiger Luxushäuser, müssen jedoch immer wieder den „Angriffen“ der beiden Großkonzerne standhalten. Ein Aufkauf einer dieser beiden Marken könnte den Wettbewerb zwischen LVMH und Kering nachhaltig verändern.

Nichtsdestotrotz scheint die Markendiversifizierung der generellen Marktposition von LVMH zu gute zu kommen und könnte auch in Zukunft die Monopolstellung des Unternehmens weiterhin absichern.

luxusmarken markenwert

Konkurrenten und Wettbewerbsvorteile:

Möchte man einen aussagekräftigen Pool an Wettbewerbern zu LVMH erstellen, sollte man sich primär auf Konzerne der Luxusgüterindustrie fokussieren, die eine ähnliche Größe und Markendiversifikation wie eben LVMH aufweisen können.

Betrachtet man die oben bereits visualisierte Wettbewerbsposition so eignen sich selbstverständlich Kering und Richemont, jeweils ein französischer und schweizerischer Luxusgüterkonzern, für einen Vergleich.

Ebenfalls der direkten Konkurrenz zugefügt haben wir die Burberry Group. Zwar handelt es sich hierbei um eine Einzelmarke, dennoch halten wir sie aufgrund einiger Attribute für einen Vergleich geeignet.

Deutliche Wettbewerbsvorteile kann sich LVMH bereits aufgrund seiner massiven Unternehmensgröße sichern. Die bereits angesprochene enorme Anzahl an unterschiedlichen Luxusmarken, diversifizieren eventuelle Produktions- oder Absatzrisiken besser, als es bei der Konkurrenz der Fall ist.

Da natürlich nicht vorauszusehen ist, welchem Konzern es gelingt weitere Luxusmarken aufzukaufen, bleibt es spannend wie sich der Wettbewerb in der Zukunft entwickeln wird. Dennoch sind wir von einer mehr als exzellenten Ausgangslage des LVMH Konzerns überzeugt.

Marktpotential

Obwohl Deutschland in der Welt eher als „Land der Sparer“ bekannt ist, scheint das Marktvolumen des Luxusmarktes, Prognosen zufolge, in den nächsten Jahren stark zuzunehmen. So schätzen Experten den Umsatz in Deutschland bereits 2025 auf knapp 90 Milliarden Euro.

luxusmarkt marktvolumen

Unübertroffen bleibt die Nachfrage nach Luxusartikeln jedoch durch die chinesischen Konsumenten. Bei einer weiterhin steigenden Nachfrage nach Luxusgütern soll bereits 2025 fast die Hälfte aller Ausgaben für Luxusartikel durch chinesische Kunden erwirtschaftet werden.

Speziell dieser fernöstliche Markt könnte in den nächsten Jahren ein Treiber für weiteres Umsatzwachstum sein. Andererseits tut sich durch diese Prognose ebenfalls eine gewisse Abhängigkeit von der Entwicklung des chinesischen Marktes auf. So kann, wie wir es im Herbst 2021 bereits erleben konnten, eine Änderung der politischen Stimmung in China die Anleger in solchen Luxusgüterkonzernen stark verunsichern.

ausgaben luxusgueter

Dennoch lässt sich zusammenfassend feststellen, dass die Nachfrage nach Luxusartikeln in den nächsten Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter zunehmen wird. Unabhängig davon, von welcher Nationalität diese Nachfrage primär ausgehen wird, scheinen immer mehr Kunden Wert auf bessere Qualität und Exklusivität bei ihren Einkäufen zu legen. Mit ihrer herausragenden Marktposition stehen die Chancen also gut, dass LVMH diese steigende Begierde optimal bedienen kann.

lvmh prognose nachfrage umsatz luxusgüter aktienchecker

Quantitative Analyse

Income Statement in Kürze

Trotz der schieren Größe des Konzerns verhielt sich die Entwicklung des Gesamtumsatzes in den vergangenen Jahren stets sehr agil. Bis zum Jahre 2019 konnten die Anleger ein überdurchschnittlich gutes Umsatzwachstum beobachten. Einen herben Rückschlag erlebte LVMH jedoch im Jahre 2020, getrieben durch die Pandemiesituation.

Aufgrund der bereits veröffentlichen Quartalsberichte der ersten drei Quartale 2021 rechnen wir für das Gesamtjahr konservativ mit einem Gesamtumsatz von knapp über 58 Milliarden Euro. Dies würde verglichen zu 2019 ein Umsatzwachstum von 8.4% bedeuten, was wir unter Berücksichtigung der anhaltenden Pandemiesituation in vielen Regionen als sehr stark bewerten.

lvmh umsatz gewinn aktienchecker

Stabilität kann der französische Konzern ebenfalls bei seiner historischen Margen-Entwicklung aufweisen. Eine außerordentlich schwankungsresistente, durchschnittliche Gross-Marge von 65%, sowie eine durchschnittliche EBIT-Marge von 19% in den vergangenen Jahren unterstreichen eine anhaltende Profitabilität des Unternehmens.

lvmh gross marge ebit marge aktienchecker

Cash Flow Statement in Kürze

In den letzten Jahren konnte sich der treue Aktionär über eine stetige Steigerung seiner absoluten Dividendenbeträge freuen. Nichtsdestotrotz sanken die relativen Dividendenrenditen der Aktie über die Jahre eigentlich ständig. Besonders nach dem Umsatzeinbruch des ersten Quartals 2020 sah sich der Vorstand gezwungen die Schlussdividende zu kürzen.

Den Dividendeneinbruch konnte eine erneute Anhebung auf Prä-Pandemieniveau für das Jahr 2020 aber wieder wettmachen.

lvmh dividende aktienchecker

Eine Stetigkeit in den Free-Cash-Flows lässt sich in den letzten Jahren eher schwer erkennen. Herausstechend sind besonders die Jahre 2019 und 2020, in welchen der frei verfügbare Cashflow deutlich über dem Niveau der Vorjahre lag. Besonders im Jahr 2020 waren hierfür hohe Abschreibungen verantwortlich, da der erwirtschaftete Jahresüberschuss durch die Pandemie deutlich eingebrochen ist.

Interessanter für den Aktionär jedoch ist, wie die Firma diese Free-Cash-Flows verwendet. In den vergangenen Jahren können sich die Anleger über eine durchschnittliche Payout-Ratio von 44% freuen. Diese war hauptsächlich durch die jährlichen Dividendenzahlungen getrieben.

Negativ zu bemerken gilt weiterhin, dass LVMH kein aktives Rückkaufprogramm seiner eigenen Aktien führt, was die Ausschüttung an die Aktionäre sicherlich noch einmal deutlich erhöhen würde.

lvmh free cash flow payout aktienchecker

Vergleichsanalyse

Bei einer Vergleichsanalyse konzentrieren wir uns primär auf Konzerne, welche sich ebenfalls auf den Vertrieb von Luxusgütern spezialisiert haben. Zusätzlich zu Kering und Richemont haben wir uns außerdem für die Burberry Group in einem direkten Vergleich entschieden.

Ertragskraft

IndikatorLVMHKeringRichemontBurberry
CAGR in %6.023.783.282.01

Betrachtet man die Compound Annual Growth Rates („CAGR“) der Umsätze der einzelnen Unternehmen seit 2012, so geht LVMH als klarer Sieger hervor. Besonders strategisch wertvolle Markenzukäufe wie von Christian Dior und Rimowa konnten dem französischen Großkonzern in vergangenen Jahren zu überdurchschnittlichem Wachstum verhelfen.

Für die Zukunft entscheidend sind sicherlich weiterhin die bereits bestehenden Markenportfolios und die weiteren Zukäufe der einzelnen Konkurrenten. Während Burberry sich selbstverständlich weiterhin auf den Vertrieb der Hausmarke beschränken wird, könnten geschickte Käufe weiterer Marken die Rangfolge zwischen LVMH, Kering und Richemont verändern.

lvmh kering richemont burberry gross marge ebit marge vergleich aktienchecker

Um eine gewisse Anschaulichkeit zu bewahren, haben wir in der obigen Grafik jeweils pro Unternehmen eine Farbe vergeben. Der jeweils höher liegende Graph beschreibt dabei die Gross Marge des jeweiligen Unternehmens, der darunter liegende gleichfarbige Graph bezieht sich hingegen auf die EBIT Marge.

LVMH besetzt in der obigen Grafik sicherlich keine exzellente Position, sondern reiht sich in den Durchschnitt der Wettbewerber ein. Besonders Kering konnte seit 2016 seine Margen und damit seine Profitabilität deutlich steigern. Auch Richemont rückte seit 2019 mit deutlichen Margenverbesserungen wieder in den Fokus.

Deutlich positiv betonen muss man jedoch erneut die Stabilität, die LVMH im Gegensatz zu seinen Konkurrenten bezüglich seiner Margen aufweisen kann.

Ausschüttung/Payout

lvmh kering richemont burberry payout ratio vergleich aktienchecker

Betrachtet man die Payout Ratios der einzelnen Unternehmen, so scheint LVMH erneut eher mit der Stetigkeit seiner Ausschüttungen als mit der absoluten bzw. relativen Höhe zu punkten. Zwar können sich die Anleger hier, verglichen mit den Konkurrenten, auf eine Stabilität der jährlichen Ausschüttungen verlassen, dennoch muss bemerkt werden, dass LVMH im Durchschnitt hinter seinen Wettbewerbern liegt.

Besonders Burberry Group kann als einziger Konkurrent der Vergleichsanalyse mit einem durchgängig aktiven Rückkaufprogramm ihrer Aktien punkten. Dennoch haben auch hier die relativen Ausschüttungen in den letzten Jahren stark nachgelassen.

Zu hoffen bleibt also dass LVMH in den nächsten Jahren bei anhaltendem Erfolg dem Anleger weiterhin steigende Dividenden ermöglicht und über die Implementierung eines Rückkaufprogrammes nachdenkt. Dies hätte sich zum Zeitpunkt des Kurssturzes im Herbst 2021 als enorm wertstiftend erwiesen.

Bewertung und Résumé

Zusammenfassend lässt sich die LVMH als ein stabiler Konzern mit guten Aussichten und hervorragender Marktposition bezeichnen. Besonders die Absatzmärkte in China und Russland könnten in den nächsten Jahren wichtige Treiber für weiteres Wachstum darstellen. Inwieweit sich LVMH durch zukünftige Zukäufe bezüglich ihrer Marktposition weiterhin absichern und absetzen kann, bleibt abzuwarten.

Die durchschnittlichen Kursziele beruhen auf einem CAGR von 8% bis 2025, was wir zwar für optimistisch, bei einer anhaltenden Verbesserung der Nachfrage nach Luxusgütern jedoch nicht für unmöglich halten. Ebenfalls rechnen die Prognosen mit einer deutlichen Verbesserung der Margen bereits für die nächsten Jahre, was wir jedoch für etwas überzogen halten. Inwiefern sich diese Margenverbesserungen in dieser kurzen Zeit und unter den aktuellen Umständen so realisieren können, bleibt also abzuwarten.

Aktuelle Kursziele der führenden Banken wurden zwischen Oktober und November 2021 veröffentlicht. Besonders optimistisch äußerten sich Goldman Sachs und RBC Capital Markets mit einem Kursziel von jeweils 775€ und 785€. Etwas sehr viel konservativer fielen die Kursziele von Jefferies und UBS aus. Diese setzten jeweils Ziele von 725€ bzw. 734€ an. (Stand 24. November 2021).

Quellenverzeichnis

Disclaimer

Die hier von aktien-checker.de und den Autoren bereitgestellten Inhalte, wie Analysen, Analyse-Tools, Deutungen und alle sonstigen Inhalte, sind keine Handlungsempfehlung, Anlageberatung oder gar der Aufruf zum Kauf eines Finanzproduktes. Außerdem wird hier explizit keine Empfehlung für ein Finanzprodukt ausgesprochen. Wir übernehmen keine Garantie oder Gewähr für die Vollständigkeit, Richtigkeit und/oder Aktualität der zugrundeliegenden Inhalte.

Für mehr Informationen zur Bereitstellung des Contents, lesen Sie bitte den Haftungsauschluss.

Über den Autor

Felix Götz

Felix Götz

Felix ist angehender B.Sc. in Wirtschaftswissenschaften mit Studienschwerpunkt internationale Finanzökonomik. Schon bei unterschiedlichen Praktikas bei Größen in der Finanzbranche konnte er sein tiefgreifendes Finanzwissen unter Beweis stellen. Bei Aktienchecker ist er vor allem für die Erstellung von Artikeln zuständig.