Zalando Aktienanalyse

Großes Potenzial beim DAX-Neuling?

„Schrei vor Glück!“ – An diesem ikonischen Werbeslogan kam wohl kaum ein deutscher TV-Zuschauer vorbei. Der junge Online-Versandhändler hat es bereits damals geschafft durch kluge Marketing-Entscheidungen in seinen frühen Jahren Bekanntheit zu erlangen. Nach nun über 10 Jahren Firmengeschichte, hat es Zalando im Herbst 2021 endlich in den DAX geschafft. Doch was hat das Unternehmen neben schickem Schuhwerk und stilvollen Kleiderstücken zu bieten? Kann es sein immenses Wachstum weiterhin fortsetzen?

Pro
Gute Wettbewerbsposition
Großes Nachfragepotential
Starkes Umsatzwachstum
Contra
Geringe Profitabilität
Schwankende FCFs
Keine Ausschüttung an Aktionäre

Grundinformation

Wer ist Zalando?

Zalando SE (SE = Societas Europaea / europäische Aktiengesellschaft) ist einer der größten deutschen Online-Versandhändler für Gebrauchsgüter wie Mode, Kosmetik und Schmuck. Das Unternehmen wurde 2008 von David Schneider und Robert Gentz in Berlin gegründet.

Über die Jahre hinweg erweiterte Zalando sein Produktportfolio stetig. Anfangs erlangte das Unternehmen aufgrund seiner hohen Verluste, die der aggressiven Werbestrategie geschuldet waren, Berühmtheit. Am 20. September 2021 wurde das Wertpapier des Versandhändlers in den DAX aufgenommen und besitzt aktuell eine Marktkapitalisierung von 21 Milliarden Euro (Stand November 2021).

Produkte

Neben klassischer Alltagsbekleidung bietet der Online-Versandhändler auch Schlafmode, Bademode und Sportbekleidung in seinem Sortiment an. Das initiale Geschäft des Schuhverkaufs besteht weiterhin und wird regelmäßig um neue Produkte aufgestockt. Seit neuestem besitzt Zalando auch ein eigenes Segment für Accessoires und Beauty-Produkte. So kann der Kunde neben Sonnenbrillen und Handtaschen auch Pflegeprodukte, Schminkartikel und Parfum kaufen. Besonders in den letzten Jahren erweiterte Zalando seine Produktpalette auch um höherpreisige Ware. So werden mittlerweile auch vermehrt High-Fashion Marken, unter anderem Versace, Philipp Plein, Moschino, angeboten.

Standorte

Seit Ende 2012 eröffnete der deutsche Großkonzern auch Outlet-Stores, die Kunden besuchen können. Nach anfänglichen Schwierigkeiten entschied sich Zalando seit 2014 weitere Outlet-Stores in Frankfurt, Stuttgart und Hannover zu eröffnen. Für die kommenden Jahre plant der deutsche Online-Versandhändler weitere Expansionen nach Düsseldorf, München, Nürnberg und Ulm.

Marktanalyse

Marktanteil

Der Marktanteil von Zalando lässt sich in der untenstehenden Grafik sehr gut veranschaulichen. Insgesamt erwirtschafteten die größten deutschen Textilversandhändler 9.800 Millionen Euro im Jahr 2019. Zalando trug mit einem Anteil von 20% maßgeblich zu diesem Ergebnis bei. Dennoch wird dieser Marktanteil von der Otto Group, welche nahezu die Hälfte des gesamten Umsatzes einnahm, nochmals weit übertroffen.

Trotz der augenscheinlichen Marktmacht der Otto Group lässt sich schlussfolgern, dass sich Zalando, besonders in den letzten Jahren, eine zunehmend bedeutsame Rolle im Textilversandgeschäft erarbeiten konnte und damit auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen könnte.

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Konkurrenten und Wettbewerbsvorteile

Die Konkurrenz von Zalando ist vielfältiger als zunächst gedacht. So spielen neben der mächtigen Otto Group, auch Versandhändler wie Amazon und Ebay eine Rolle im deutschen Markt. Kleinere Player wie beispielsweise Klingel oder Asos können ebenfalls zur direkten Konkurrenz gezählt werden.

Klare Wettbewerbsvorteile sehen wir vor allem durch die Einzigartigkeit des Produktportfolios verbunden mit dem aggressiven Umsatzwachstum der letzten Jahre. Weltweit schafft es Zalando im Jahr 2018 sogar in die Top 10 der dynamischsten Einzelhandelsunternehmen (gemessen am jährlichen Umsatzwachstum).

Dies unterstreicht deutlich die Wirksamkeit und Akzeptanz des stetig wachsenden Produktportfolios des Online-Versandhauses. So scheint für den durchschnittlichen Nachfrager das Bestellerlebnis bei einem spezialisierten Versandhandel doch deutlich angenehmer zu sein, als es bei „Großhändlern“ wie Amazon und Otto Group ist.

Genau diese langfristige Strategie, das eigene Produktportfolio stetig passend zu diversifizieren und trotzdem nicht Gartenmöbel oder Nahrungsartikel neben den neuesten Modeerscheinungen anzubieten, rechnen wir dem Unternehmen als Alleinstellungsmerkmal an.

Marktpotential

Bereits die letzten Jahre haben gezeigt, dass die Präferenz der Verbraucher hin zu Online-Bestellungen stetig wächst. Besonders für jüngere Generationen, die mit dem technologischen Wandel aufgewachsen sind, ist es heutzutage eine Selbstverständlichkeit Lebensmittel, Bücher oder auch Kleidung mit wenigen Klicke online zu bestellen. Dieser Wandel im Bestell- und Konsumverhalten wird sich, unserer Ansicht nach, in den nächsten Jahren weiter beschleunigen.

Auch die Corona-Krise hat dieser Entwicklung sehr positiv in die Karten gespielt, da die Konsumenten gezwungen waren sich mit dem Thema Online-Versandhandel auseinanderzusetzen. Da viele in dieser Zeit somit auch die Vorzüge einer solchen Art des Konsums kennengelernt haben, ist es denkbar, dass auch nach einer Abschwächung der Pandemie-Situation das Niveau der Online-Bestellungen weiter auf einem hohem Niveau bleiben wird.

Zalando greift genau diese Nachfrage auf und bietet seinen Kunden vielfältige Möglichkeiten sie zu befriedigen. Daher sind wir überzeugt, dass Zalando auch in den nächsten Jahren vom Potential des Online-Versandhandels profitieren wird.

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Quantitative Analyse

Income Statement in Kürze

Zalando konnte in den letzten Jahren mit einem rapiden Umsatzwachstum überraschen und überzeugen. Sicherlich war die im Jahr 2020 beginnende Pandemie ebenfalls ein weiterer Treiber für einen neuen Umsatzrekord im vergangenen Geschäftsjahr. Aufgrund der wiederkehrenden Lockdowns auch während des Jahres 2021 rechnen wir für das Gesamtjahr 2021 ebenfalls mit einem weiteren kräftigen Umsatzwachstum von 17%.

Der Track-Rekord der letzten Jahre bestätigt also ein deutliches Momentum hinsichtlich der Umsatzsteigerungen, welches sich Zalando aufbauen konnte.

Der jährlich erwirtschaftete Gewinn hingegen konnte bei diesem erheblichen Anstieg nicht wirklich mithalten. So hat der deutsche Online-Versandhändler zwar seit 2013 keinen negativen Jahresüberschuss mehr berichtet, dennoch scheint der eigentlich erwirtschaftete, bilanzielle Gewinn doch eher sehr gering verglichen mit dem Gesamtumsatz.

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Stabilität kann Zalando nicht nur umsatzseitig sondern auch bezüglich seiner Margen aufweisen. Die Gross Marge zeigt sich relativ schwankungsresistent und liegt in den letzten Jahren bei durchschnittlich 43%.

Die EBIT-Marge hingegen verhält sich zwar ebenfalls relativ stabil, bewegt sich aber durchschnittlich nur bei knapp über 2%. Besonders die, von Zalando so bezeichneten Fulfillmentkosten (unter anderem Lager- und Logistikkosten), reduzieren den Gross Profit und damit das daraus resultierende EBIT deutlich. Besonders bezüglich seiner Vertriebs- und Lagerkosten hat der deutsche Textilversandhändler in den nächsten Jahren also noch einiges aufzuholen.

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Cash Flow Statement in Kürze

Bezüglich des Managements seiner Cash-Flows kann Zalando definitiv nicht überzeugen. Besonders in den letzten Jahren zeigten sich noch deutliche Probleme bezüglich der Profitabilität, der Free-Cash-Flow in einigen Jahren war stark negativ. Dementsprechend mager fällt auch die Ausschüttung aus. Gerade einmal in den Jahren 2018 und 2019 wurden zwei einmalige, einigermaßen bedeutsame, Aktienrückkaufe durchgeführt.

Zumindest in den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2021 scheint Zalando seine Kapitalallokation neu strukturiert zu haben. So kaufte der Online-Versandhändler in diesem Zeitraum bereits für 200 Millionen Euro eigene Aktien zurück.

Leider haben wir aktuell keine Informationen, inwiefern dieses Aktienrückkaufprogramm in die nächsten Jahre ausgeweitet wird. Es wäre definitiv ein weiterer großer Pluspunkt, wenn Zalando ihre Strategie bezüglich der Kapitalallokation zukünftig neu ausrichten würde.

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Vergleichsanalyse

Bei Zalando fiel es uns ziemlich schwer, eine repräsentative Auswahl vergleichbarer Unternehmen zu finden. Auf den ersten Blick wäre es sicherlich einfach gewesen, die bereits genannten Hauptkonkurrenten wie Otto Group, Amazon oder Ebay als Referenzgruppe zu verwenden. Dennoch wird schnell klar, dass es wenig Sinn macht solche Konzerne in den direkten Vergleich mit Zalando zu stellen (man denke an die Verschiedenheiten der Produktportfolios, Marktmacht oder Geschäftsmodell).

Ebenfalls wichtig war es uns Unternehmen zu finden, die, ähnlich wie unser deutsches Pendant, ihren Hauptumsatz mit dem Retail-Geschäft, also dem Verkauf und der Distribution fremder Marken, erwirtschaften. Aus diesen Gründen haben wir uns für die Unternehmen Foot Locker, Buckle und Tillys entschieden.

Ertragskraft

IndikatorZalandoFoot LockerBuckle Inc.Tillys Inc.
CAGR in %24.092.15-3.150.99

Betrachtet man die Compound Annual Growth Rates („CAGR“) der Umsätze der einzelnen Unternehmen seit 2013, so sticht besonders Zalando mit seinem aggressivem Umsatzwachstum hervor.

Hier setzt sich der deutsche Online-Versandhändler deutlich über seine amerikanische Konkurrenz hinweg. Während Foot Locker und Tillys offensichtlich bereits deutliche Schwierigkeiten hatten nachhaltiges Wachstum zu generieren, sehen wir bei Buckle in den letzten Jahren sogar einen deutlichen Zurückgang der jährlichen Umsätze.

Sicherlich haben bei Zalando in den letzten Jahren neben der gewissen Start-Up Dynamik auch die immensen Marketing-Ausgaben eine begünstigende Rolle gespielt. Wir gehen also davon aus, dass sich dieses Wachstum langfristig etwas abflachen wird.

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Um eine gewisse Anschaulichkeit zu bewahren, haben wir in der obigen Grafik jeweils pro Unternehmen eine Farbe vergeben. Der jeweils höher liegende Graph beschreibt dabei die Gross Marge des jeweiligen Unternehmens, der darunter liegende gleichfarbige Graph bezieht sich hingegen auf die EBIT Marge.

Ebenfalls auf dem ersten Platz befindet sich unser deutscher Online-Versandhändler im Vergleich der Gross Marge der einzelnen Unternehmen. Dennoch hat Zalando, wie bereits weiter oben angesprochen, besonders hinsichtlich seiner Profitabilität noch deutliche Probleme. Es zeigt sich auch im direkten Vergleich auf den ersten Blick, dass die durchschnittliche EBIT-Marge von knapp über 2% in den letzten Jahren noch immer viel zu gering ist.

Sicherlich ist dies auch dem Fakt geschuldet, dass Zalando vergleichsweise noch ein sehr junges Unternehmen ist. Dennoch sollte der Investor weiterhin ein genaues Auge darauf haben, wie sich die Profitabilität des Unternehmens in den nächsten Jahren entwickelt.

Ausschüttung/Payout

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Bezüglich der Free-Cash-Flow Ausschüttung konnte Zalando in den letzten Jahren nicht überzeugen. Die amerikanischen Pendants haben zumindest in der Vergangenheit, entweder durch stetige Dividendenauszahlungen oder durch Aktienrückkäufe, die Aktionäre am Erfolg des Unternehmens beteiligt.

Dennoch hoffen wir, dass Zalando besonders in den nächsten Jahren seine Strategie bezüglich ihrer Kapitalallokation überdenken und neu ausrichten wird, um dieses Problem anzugehen.

Bewertung und Résumé

Zusammenfassend lässt sich Zalando definitiv als ein dynamisches, potenzialreiches Unternehmen bezeichnen. Besonders eine zunehmende Nachfrage des Online-Versandes könnte zukünftig eine weitere stabile Wachstumsgrundlage bilden. Mit einer bereits guten Position im deutschen Markt sind wir überzeugt davon, dass Zalando auch in den nächsten Jahren eine bedeutende Rolle im Fashion E-Commerce Business spielen wird.

Die durchschnittlichen Kursziele beruhen auf einem CAGR von 16.4% bis 2025, was wir unter Berücksichtigung der letzten Jahre für realistisch halten. Deutlich eingepreist in den Erwartungen sind ebenfalls Verbesserungen der EBIT-Marge. Wie bereits aufgeschlüsselt wird das Unternehmen hierbei hauptsächlich durch die hohen Lager- und Logistikkosten belastet. Inwiefern und vor allem wie schnell diese Kosten verringert werden können, ist schwer einzuschätzen, kann jedoch ein potenzielles Risiko darstellen.

Aktuelle Kursziele wurden um den 05.11.2021 veröffentlicht. Barclays und UBS setzen jeweils beide ein Kursziel von 110€ an. Etwas optimistischer äußerten sich Goldman Sachs und Deutsche Bank mit einem Kursziel von jeweils 121€ bzw. 120€. Das konservative Schlusslicht bildet JP Morgan mit einem Kursziel von 101€. (Stand 20. November 2021)

Quellensammlung

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Über den Autor

Felix Götz

Felix Götz

Felix ist angehender B.Sc. in Wirtschaftswissenschaften mit Studienschwerpunkt internationale Finanzökonomik. Schon bei unterschiedlichen Praktikas bei Größen in der Finanzbranche konnte er sein tiefgreifendes Finanzwissen unter Beweis stellen. Bei Aktienchecker ist er vor allem für die Erstellung von Artikeln zuständig.