Es ist kein Geheimnis, dass Exchange Traded Funds (ETF) unter den Privatanlegern immer beliebter werden. Allein in Deutschland ist das verwaltete Vermögen in ETFs seit 2010 um mehr als 147% auf einen Wert von 168,2 Milliarden Euro 2020 gestiegen. Obwohl dies in Relation zum deutschen Vermögen in Sparbuch & Co. noch relativ gering ist, kann man hier einen klaren Trend erkennen, welcher, so scheint es, sich auch in den nächsten Jahren so fortführen wird. Und das aus gutem Grund. ETFs gelten als eine sehr einfache und unkomplizierte Anlageklasse, welche oft bei Anlegern mit einer langfristigen Anlagestrategie zum Einsatz kommen und deshalb auch sehr gut für Anfänger geeignet sind.

Doch am Anfang stellt sich meist die Frage, wie man überhaupt mit dem Investieren in ETFs startet. Deshalb haben wir uns dazu entschieden in diesem Blogartikel eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zu ETFs bereitzustellen, mit der Sie alles Nötige über die Welt der ETFs erfahren und schnell und bequem zu Ihrer eigenen ETF-Anlagestrategie kommen.

1. Was sind ETFs überhaupt?

Zu Beginn ist es wichtig den Begriff ETF zu definieren, um zu verstehen, in was man hier investieren möchte. Denn wie immer gilt: Man investiert in Nichts, was man nicht kennt!

Dazu haben wir nun eine kleine Definition:

ETFs (engl. exchange-traded fund) sind kurzgesagt Investmentfonds, welche an der Börse gehandelt werden. Dies steht im Kontrast zu klassischen Fonds, denn diese werden meist nur durch Investmentgesellschaften oder Hedgefonds angeboten. ETFs sind im deutschen auch oft als börsengehandelte Fonds oder Indexfonds bekannt.

Für Interessierte haben wir dazu einige weitere Informationen in unserem Wiki-Artikel zu ETF.

Des Weiteren taucht beim Thema auch immer wieder der Begriff Fonds auf. Ein Fond sammelt und verwaltet das Anlagevermögen ihrer Kunden. Ein Fondsmanager des fondstellenden Unternehmens investiert dieses dann gewinnbringend. Auch hier haben wir einen Wiki-Artikel zu Fonds für weitere Informationen parat.

Wichtig ist bei ETFs, dass bei diesen kein Fondsmanager das Vermögen nach eigenen Ermessen investiert, sondern den ETFs immer ein Index zugrunde liegt, welcher in gewisser Weise vorbestimmt, in welche Aktien, Rohstoffe oder Währungen investiert werden kann. Jedoch hängt dies auch von der Replikationsmethode des ETFs ab. Die Replikationsmethode beschreibt wie eben in den Index im ETF investiert werden soll. Dabei gibt es drei Methoden:

  • Physisch
  • Sampling (auch Optimiert)
  • Synthetisch

Physisch

Beim physisch replizieren wird der Index in einem ETF komplett ohne Abweichung von Werten und Gewichtungen nachgebildet. Man spricht hier auch häufig von vollständiger Replikation oder Vollreplikation. Physisch heißt in diesem Fall auch, dass direkt in das Fondsvermögen gekauft wird, was bei den anderen teilweise nicht der Fall ist. Die meisten ETFs nutzen die physische Replikationsmethode, vor allem eben bei klassischen Indezes, wie dem S&P 500 oder dem DAX. Ein Beispiel wäre der iShares Core S&P 500 (WKN: A0YEDG), welcher auch physische repliziert wird.

Sampling

Beim Sampling werden zwar auch alle Wertpapiere physisch gekauft, jedoch wird hier nur ein Teil der Wertpapiere des Index im ETF aufgenommen. Wie bei einem Filter wird dabei eine Vorauswahl von Werten getroffen, die dann erst gekauft werden. Deswegen spricht man hier manchmal auch vom optimierten Sampling oder der optimierten physischen Replikation. Das Sampling wird oft bei Indezes angewendet, in welchen sich illiquide Werte mit geringen Gewichtungen befinden, für die es sich nicht lohnt diese im ETF aufzunehmen. Zwar verändert sich die Wertentwicklung des ETFs im Vergleich zu dem eigentlichen Index ein wenig, jedoch werden dadurch Kosten gespart.

Synthetisch

Die Synthetische Replikation unterscheidet sich stark von den beiden anderen Replikationsmethoden. Hierbei wird teilweise in andere Wertpapiere, welche nicht im nachzubildenden Index enthalten sind, investiert. Damit der Index trotzdem voll nachgebildet werden kann, werden durch Swap-Geschäfte das Fondsvermögen mit Hilfe eines Partners investiert. Meist ist dieser Partner einfach die Muttergesellschaft des ETF-Anbieters.

Als Beispiel möchte ein ETF in einen Rohstoff-Index investieren. Es wäre aber viel zu teuer in die Rohstoffe physisch zu investieren. Deshalb nutzen hier die meisten ETF das synthetische Verfahren. Der ETF-Anbieter schließt einen Tauschvertrag (Swap) mit beispielsweise ihrer Muttergesellschaft ab, welcher außerhalb der Börse (Over-the-counter-Geschäft) stattfindet. Dabei investiert der ETF in eine Auswahl liquider Wertpapiere, die beim Kontrahenten als sogenannte Swap-Security (Sicherheit) hinterlegt werden. Dabei hat die Muttergesellschaft dann einen Anspruch auf die Rendite des Sicherheits-Portfolios. Die Muttergesellschaft muss im Gegenzug dem ETF-Anbieter die Rendite des Index auszahlen.

Der große Vorteil hier ist eben, dass durch Swap-basierte ETFs auch in Nischen und in speziellen Anlageklassen kostengünstig investiert werden kann. Auch soll die Genauigkeit dieser Replikation sehr hoch sein.

Im Gegensatz besteht aber beim synthetischen replizieren immer das sogenannte Kontrahenten-Risiko. Der Swap-Partner kann Pleite gehen, weshalb dadurch das Fondsvermögen und die Rendite in Gefahr sein können. In der EU gibt es eine Regelung die besagt dass maximal 10% des Fondsvermögen in Swap-Geschäften genutzt werden dürfen, somit ist das Risiko sichtbar sehr gering, wobei viele ETF-Anbieter noch geringere Mengen des Vermögen swappen.

Zusammengefasst, gibt es nicht die eine Replikationsmethode, welche am Besten ist. Jede hat seine Vor- und Nachteile und es liegt in der Hand des Anlegers, ob man einer Methode vertrauen möchte oder nicht.

2. Die passenden ETFs finden

Mit dem Wissen was ETFs sind, stellt sich nun die Frage welche ETFs es überhaupt gibt? Ganz allgemein beantwortet: Viele. Dadurch, dass immer mehr kleinere ETF-Anbieter Tag für Tag dazu kommen, steigt die Anzahl an ETFs stetig.

Das Interessante dabei ist aber die Vielfalt bei ETFs. Egal welches Thema, welche Region oder Branche. Man kann so ziemlich alles finden.

Die klassischen ETFs sind die regionalen ETFs. Diese bilden Indezes ab, welche einen regionalen Bereich auf der Erde abdecken. Als Beispiel kann da der iShares Core MSCI World (A0RPWH) genannt werden, welcher mit über 1.500 Positionen die ganze Welt, im besonderen die entwickelten Märkte (Developed Markets) abdecken möchte. Im Gegensatz dazu versucht der iShares MSCI Emerging Markets (A0RPWJ) den MSCI-Index mit ausschließlich Unternehmen aus den aufstrebenden Märkten, wie China, Süd-Korea oder Brasilien, nachzubilden. Auch gibt es noch einige weitere Beispiele, für regionale ETFs, die wir im Folgenden in einer Tabelle auflisten:

ETF-NameWKNRegionReplikation
iShares Core MSCI WorldA0RPWHEntwickelte WeltSampling
iShares MSCI Emerging MarketsA0RPWJAufstrebende Märkte/WeltSampling
iShares MSCI JapanA1W2ESJapanSampling
Xtrackers Stoxx Europe 600DBX1A7EuropaSampling
Xtrackers DAXDBX1DADeutschlandPhysisch
Vanguard FTSE Developed Asia Pacific ex JapanA2PLTAAsien und Pazifik ohne JapanPhysisch

Neben den Regions-ETFs gibt es auch branchenspezifische ETFs. Das sind ETFs, welche das Fondsvermögen nur in bestimmte Branchen investieren. Das kann zum Beispiel die Informationstechnologiebranche, wie es beim Xtrac­­kers ­­MSCI ­­World­­ Info­­rmati­­on Te­­chnol­­ogy (A113FM) der Fall ist, sein. Oder aber auch die Industrie, welche mit dem Lyxor MSCI World Industrials (LYX0GN) abgebildet wird.

Manchmal werden auch nur Teile einer Branche oder eines Themengebietes mit einem ETF bzw. durch den Index abgebildet. Als Beispiel kann man hier den Rize Medical Cannabis and Life Sciences ETF (A2PX6U) nennen. Dieser ist angesiedelt in der Gesundheitsbranche, doch investiert das Fondsvermögen ausschließlich in Cannabis und Life Sciences Aktien, was nur ein Teilgebiet des Gesundheitswesens darstellt.

Des Weiteren gibt es auch ETFs, die in Staats- und Unternehmensanleihen investieren. Beispielsweise investiert der iShares EUR Government Bonds 3-5yr (A0LGP6) in mittelfristige europäische Staatsanleihen. Hier gibt es auch unzählige Varianten in Form von Ländern und Regionen aber auch bei der Dauer der Anleihen. Auf der anderen Seiten gibt es eben die Unternehmensanleihen, die einfach in gebündelte Unternehmensanleihen-ETFs investieren. Anleihen-ETFs werden gern zur Risikoreduzierung im Portfolio genutzt.

Zu guter Letzt möchten wir noch die Rohstoff-ETFs ansprechen, die schon bei den Replikationsmethoden erwähnt wurden. Zu den Rohstoff-ETFs können zum einen einfach Branchen-ETFs zählen, die in Rohstoff-Unternehmen investieren. Zum Beispiel gibt es da den Xtrackers MSCI World Materials ETF (A113FL). In diesem ETF wird in viele verschiedene Unternehmen investiert, die mit Rohstoffen zu tun haben oder diese durch den Abbau gewinnen. Ein anderes Beispiel, wäre der iShares Oil & Gas Exploration & Production ETF (A1JKQL), welcher sich nur auf Öl- und Gas-Produzenten konzentriert.

Auf der anderen Seite zählen zu den Rohstoff-ETF auch ETFs, welche direkt in die Waren (Commodities) investieren. Wie schon erwähnt ist das aber direkt meistens nicht möglich, weshalb bei solchen ETFs mit der synthetischen Replikation und Swap-Deals gearbeitet wird. Ein bekannter Rohstoff-ETF dieser Art ist der iShares Diversified Commodity Swap ETF (A2DK6R). Hier werden durch Swap-Geschäfte, wie oben beschrieben dann in den Bloomberg Commodity Index (BCOM) investiert, welcher etwa 20 verschiedene Rohstoffe mit unterschiedlicher Gewichtung beinhaltet.

Dies sind die wichtigsten ETF-Typen, und doch gibt es noch unzählige weitere Arten, wie z.B. Immobilien- oder Geldmarkt-ETFs, die aber eher eine untergeordnete Rolle spielen. Wer will kann sich aber trotzdem über diese auch schlau machen.

Bei der Vorstellung der verschiedenen ETF-Typen sind immer wieder die Namen mancher ETF-Anbieter gefallen: iShares, Vanguard, Xtrackers, usw. Hier gilt es sich zu über die Anbieter weiter zu informieren. Handelt es sich um stabile Finanzunternehmen, die nicht in den nächsten Jahren Insolvenz anmelden müssen? In der Regel kann man bei den großen ETF-Anbietern, wie iShares, Vanguard und Xtrackers davon ausgehen, dass diese sehr stabile Unternehmen sind und das Risiko sehr gering ist. Bei kleineren ETF-Anbietern sollte man vorher die zu Grunde liegenden Fakten checken.

Dies gilt auch im Bezug auf die Kosten. Jeder ETF hat andere Kosten. Dieser TER ist zwar meist deutlich geringer als von klassischen Fonds, jedoch sollte man diesen immer im Auge behalten, damit keine bösen Überraschungen auftauchen können.

Als letzter wichtiger Fakt zu ETFs muss man sich die Ertragsverwendung ansehen. ETF können auf zwei Arten den Ertrag aus Dividenden oder Zinsen (bei Anleihen): Thesaurierung oder Ausschüttung. Bei der Thesaurierung werden alle Erträge direkt wieder in den ETF reinvestiert. Im Gegensatz dazu werden bei der Ausschüttung die Erträge an den Aktionär ausgehändigt.

Je nachdem welcher Strategie man folgt, möchten manche Anleger gerne ihre Dividende ausbezahlt bekommen, damit sie diese für andere Dingen nutzen können. Andere Anleger möchten aber am liebsten einfach die Menge an Wertpapieren und somit das Vermögen weiter aufstocken und investieren dann lieber die Erträge wieder in den gleichen ETF. Je nachdem müssen Sie selbst entscheiden, welche Ertragsverwendung Ihnen zusagt.

3. Wo finde ich ETFs?

Im nächsten Schritt muss man wissen, wo man die ETFs überhaupt finden und in diese investieren kann. Im Grunde gesehen, bietet so ziemlich jeder Broker die Möglichkeit an in ETFs zu investieren. In unserem Brokervergleich können Sie schnell und einfach den richtigen Broker für Ihre Bedürfnisse finden. Im folgenden stellen wir Ihnen einmal unsere Auswahl der Top 3 ETF-Broker vor:

5/5

0€

pro Sparplan

Besonderheiten

  • Bereits ab 1€ Sparrate
  • Über 1900 sparplanfähige ETFs von Invesco, iShares, DWS uvm.
  • Monatlich, zweimonatlich oder quartalsweise besparen
4/5

0€

pro Sparplan

Besonderheiten

  • Komplett kostenfreie Ausführung des Sparplans
  • Über 1500 ETF-Sparpläne von iShares, DWS, Amundi uvm.
  • Bereits ab 10€ monatlicher Sparrate
  • Zweiwöchentlich, monatlich oder quartalsweise besparen
4/5

0€

pro Sparplan

Besonderheiten

  • Bereits ab 1€ Sparrate
  • Über 800 sparplanfähige ETFs von iShares, DWS, Lyxor uvm.
  • Monatlich, zweimonatlich oder quartalsweise besparen
  • Bei Verkauf fallen normale Ordergebühren an

Unsere obige Liste geht vor allem darauf ein, dass bei diesen Brokern Sparpläne für ETFs schnell und mit niedriger Sparrate erstellt werden können. Sparpläne sind dabei wohl die beliebteste Möglichkeit in ETFs zu investieren, insbesondere bei Anfängern. Dabei wird ein Dauerauftrag eingestellt, bei welchem regelmäßig eine gewisse Summe in einen ETF (oder auch eine Aktie) automatisch investiert wird. Somit kann man passiv Investieren ohne sich durchgehend zu einem bestimmten Tag im Monat sich manuell damit zu beschäftigen. Dazu sind die Kosten bei Sparplänen bei vielen Anbietern weitaus billiger als direkt ETFs oder Aktien zu kaufen.

Ein gutes Beispiel stellt hier Scalable Capital dar. Bei Scalable Capital kann man schon ab 1€ Sparrate mit dem Investieren in ETFs beginnen.

Direktkäufe von ETFs macht man meistens um Nachkäufe zu betreiben, damit man seinen eigenen Bestand an ETF-Wertpapieren schnell aufzustocken, zum Beispiel, wenn der Preis stark gefallen ist, um niedrig einsteigen zu können.

Bei der Broker-Auswahl muss man auch immer die Broker-Gebühren im Auge behalten. Diese können je nach Broker unterschiedlich hoch ausfallen und vor allem beim Verkauf den erwirtschafteten Gewinn deutlich senken.

Sobald Sie Ihre Broker-Auswahl getroffen und ein Depot eröffnet haben können bei der Suche nach den ETF-Namen oder den WKN-Nummern alle beim Broker verfügbaren ETFs gefunden werden.

Für die vorangegangene Recherche nach ETFs kann man auch einschlägige ETF-Portale wie extraETF oder justETF nutzen, um detaillierte Informationen zu ETFs zu erhalten, die man eventuell beim Broker nicht bekommen kann.

Einen nützlichen ETF-Screener, den wir auch hin und wieder nutzen ist der trackinginsight ETF-Screener. Hier kann man sich vor allem Inspiration für neue ETFs oder Branchen suchen, aber auch nützliche Informationen zu den ausgewählten ETFs finden. Zudem bietet trackinginsight viele nützliche Lernartikel und News aus der ETF-Welt an. Leider kann man auf der Website nicht nach den WKNs der ETFs suchen und muss auf die ISIN-Nummern zurückgreifen.

Bevor man nun nach ETFs im Broker sucht und Sparpläne für diese anlegt, sollte man sich erstmal ein ETF-Portfolio zusammenstellen und eine Strategie definieren. Wie das funktioniert erfahren Sie im nächsten Schritt.

4. Ein ETF-Portfolio erstellen

Es gibt viele mögliche Anlagestile, die sich ein Anleger zu nutzen machen kann. Diese Anlagestile werden vor allem im Portfoliomanagement in passive und aktive Anlagestile aufgeteilt. Zu den aktiven Anlagestilen zählen unter anderem das Stockpicking, Long-Short-Investments oder auch zyklisches Investieren. Auf der passiven Seite gibt es eigentlich nur eine wirklich effektive Strategie, die unter dem Namen Buy-and-Hold bekannt ist.

anlagestile portfoliomanagement beim investieren in ETFs

Während aktive Anlagestile vor allem zu einem kurz- beziehungsweise mittelfristigen Erfolg führen sollen, ist die Buy-and-Hold eine langfristig ausgelegte Strategie. Beim Buy-and-Hold **werden Anlage-Assets gekauft und über sehr lange Zeit gehalten, um später aus der natürlichen Steigerung des Werts eine hohe Rendite erwirtschaften zu können.

Beim Investieren in ETFs wird man meistens einen eher passiven Anlagestil anwenden, was bedeutet man greift auf die Buy-and-Hold-Strategie zurück und investiert über einen sehr langen Zeitraum in ETFs. Das lohnt sich vor allem um zum Beispiel für die Rente vorzusorgen.

Im Vergleich dazu ist es auch schwierig aktive Anlagestrategien, wie das Stockpicking auf ETFs anzuwenden, da man schwierig nach Kriterien ganze Indezes aktiv kaufen oder verkaufen kann bzw. sollte. Das lässt sich auch damit erklären, dass das Investieren in ETFs (und somit in Indezes) auch gerne als eigene passive Anlagestrategie bezeichnet wird (Indexing) und deshalb überhaupt gar nicht aktiv angegangen werden kann.

Nachdem nun klar ist, dass man beim Investieren in ETFs eher einen passiven Anlagestil verfolgen sollte, geht es nun an das eigentliche Portfolio. Grundsätzlich gibt es zwei Wege, um ein ETF-Portfolio zu erstellen. Auf der einen Seite kann man bekannte und beliebte ETF-Musterportfolios übernehmen und genau so das eigene Portfolio aufbauen.

Ein Musterportfolio ist eine Art Vorlage für eine Zusammenstellung von mehreren Assets in welche investiert werden soll bzw. kann. Ein bekanntes Beispiel ist das Pantoffel-Portfolio, welches ein von Stiftung Warentest entwickeltes Musterportfolio darstellt. Hierbei werden 50% der Investitionen in den weltweiten Aktienmärkten und 50% in Anleihen investiert. Diese Strategie kann man sehr einfach mit ETFs nachbilden und je nach Gefühlslage auch offensiver oder defensiver mit einer höheren Gewichtung in einen der beiden Assetklassen auslegen.

Es gibt unzählige Beispiele von Musterportfolios. In unserem Musterportfolio-Bereich können Sie viele weitere entdecken und sich inspirieren lassen.

Der zweite Weg ist es sich ein eigenes ETF-Portfolio “from scratch” aufzubauen ohne die Nutzung einer Musterportfolio-Vorlage. Das ist aber sehr viel schwieriger und risikoreicher, da dies schon eher dem klassischen Investieren in Aktien ähnelt. Es gilt also hier einige Grundlagen aus dem Porfoliomanagement zu beachten.

Diversifizierung

Als goldene Regel gilt es das Portfolio zu diversifizieren. Das bedeutet man sollte eine breite Streuung des Vermögens anstreben, um Risiken vorbeugen zu können.

Dadurch dass ETFs an sich schon das Geld stark streuen ist das schon ein guter Anfang. Aber beispielsweise sein ganzes Vermögen in einen World-ETF zu investieren ist keine gute Diversifizierung. Die aufstrebenden Märkte werden bei den World-ETFs meist ignoriert und man nimmt somit eventuelle Potenziale nicht mit. Ein bessere Diversifizierung wäre in diesem Beispiel hier noch einen Emerging Markets-ETF dem World-ETF hinzuzfügen, um auch die aufstrebenden Märkte mitzunehmen.

Dieses Konzept kann man noch weiterspinnen, indem man auch den World-ETF aufbricht und noch spezieller in Europa-ETFs, US-ETFs und sogar Japan-ETFs investiert.

Die zentrale Frage

Vertraue ich den Unternehmen im Index? Sind diese langfristig zukunftsträchtig? Das sind wohl die wichtigsten Fragen, die man sich stellen muss, wenn man die richtigen ETFs auswählen möchte. Wenn man nach der Buy-and-Hold-Strategie investiert, will man langfristig Erfolg. Das bedeutet, dass kurzfristige Gewinner nicht wirklich attraktiv sind, wenn diese in einigen Jahren nicht mehr relevant sind. Deshalb muss man bei der Auswahl der ETFs im Portfolio immer die Langfristigkeit hinterfragen. Das gilt eventuell eher weniger für regionale ETFs, wie bei einem World-ETF, aber zielt vor allem auf Branchen-ETFs ab, bei welchen immer die Gefahr besteht, dass man hier auf die falsche Branche setzt.

Kosten

Zuletzt möchten wir noch die Kosten der ETFs ansprechen, die wir schon oben erwähnt haben. Die Kosten sind eventuell anfangs noch nicht so ausschlaggebend, wenn das investierte Vermögen in ETFs noch nicht so hoch ist, doch kann zum Problem werden, wenn man schon einige Jahre in ETFs investiert und nun verkaufen möchte. Je nach Höhe des TERs und dem Vermögen im ETF können die Abgaben an den ETF-Anbieter sehr hoch ausfallen. Dazu kommen dann noch die Transaktionskosten beim Broker. Alles in allem muss man also auf der einen Seite einen günstigen und geeigneten Broker auswählen und auf der anderen Seite ETFs mit niedrigen Kosten finden.

Diese drei Punkte waren eigentlich auch nur das allernötigste, um ein eigenes ETF-Portfolio zu erstellen. Nebenbei gibt es noch viele weitere Faktoren, die mit in die Erstellung eines eigenen ETF-Portfolios miteinfließen müssen. Dazu zählen unter anderem die eigene Zuneigung zu Risiko oder auch ob und wieviel frei verfügbares Geld zur Verfügung steht. Und die gewisse Kreativität bei der Erstellung des eigenen ETF-Portfolio darf natürlich auch nicht fehlen.

Zusammengefasst kann man also sagen, dass es zwar möglich ist selbst ein ETF-Portfolio zu erstellen, aber man doch besser damit fährt, wenn man mit Musterportfolios arbeitet.

5. ETF-Portfolio-Monitoring

Sie haben nun gelernt was ein ETF überhaupt ist, welche es gibt und wo man diese finden kann. Daraufhin haben Sie dann ein Depot bei einem Broker eröffnet, ein ETF-Portfolio erstellt und Ihre ersten Sparpläne angelegt.

Nun kommen Sie an den Punkt bei dem Sie Geduld haben müssen. Sie werden nicht innerhalb eines Jahres hohe Renditen einfahren und schnell reich werden. So etwas gibt es nicht. Dafür wird sich Jahr für Jahr eben auch durch den Zinseszinseffekt langsam aber sicher Ihr Vermögen vermehren und Ihre Sparbücher oder Prämiensparen-Konten abhängen.

Hier liegt aber auch die Schwierigkeit für den Menschen hinter dem Anleger: Die Geduld zu haben nicht durchgehend das Portfolio zu überprüfen und bei jeglichen Veränderungen panisch zu verkaufen oder manchmal sogar zu kaufen. Dies kann sogar schlecht für die eigene Psyche sein.

Trotzdem sollte man hin und wieder sein Portfolio überprüfen (engl. monitoring) und eventuell Änderung vornehmen. Wir nutzen gerne Portfolio-Tracker, um unsere Portfolios zu überprüfen. Gute Tools sind dabei die kostenlose Software Portfolio Performance oder die Smartphone-App getquin.

Ohnehin sollten bei einer Buy-and-Hold-Strategie kaum Änderungen am Portfolio ausgeführt werden. Eher ist es dann wichtig nach einiger Zeit zu checken, wann den ein guter Ausstiegszeitpunkt wäre. Das hängt natürlich dann davon ab, ob man aussteigen möchte, um nun zum Beispiel die eigene Rente mit dem Vermögen genießen zu können. Dann sollte man den richtigen Zeitpunkt abpassen, an welchem man das Maximum noch herausholt.

Fazit

Nun sollten Sie bestens vorbereitet sein um Ihr erstes ETF-Portfolio zusammenzustellen. Wir hoffen wir konnte Sie inspirieren und auch überzeugen, dass es sich lohnt einmal in die ETF-Welt hineinzusehen. Um mit einem schönen Zitat des Ex-Hedgefondsmanagers Peter Lynch zu enden:

Der Schlüssel zum Geldverdienen mit Aktien liegt darin, keine Angst vor ihnen zu haben.

Peter Lynch