In Zeiten von hoher Inflation, die drohender Knappheit von Ressourcen wie Öl & Gas und Zinserhöhungen durch die FED sind viele Anleger derzeit unsicher und ziehen sich teilweise aus dem Aktienmarkt zurück und flüchten in vermeintlich sichere Anlageklassen wie Gold.

Die Jahren, in denen die sogenannten Growth-Aktien, wie sie aus der IT-Branche bekannt sind, scheinen vorbei zu sein und Analysten und Ökonomen sind sich sicher, dass wir langsam aber sicher in einen Bärenmarkt stürzen, eine große Gefahr für die eigentlich wachstumsstarken Aktien.

Doch es gibt eine Alternative zur Flucht: Value-Aktien. Die vor allem durch den Großinvestor und CEO von Berkshire Hathaway, Warren Buffet, bekannt gemachten Aktien scheinen bei manchen in Vergessenheit geraten zu sein, doch sind eigentlich bekannt als gute Anlagemöglichkeit in schwierigen Marktphasen.

Das Schöne: Für Index-Anleger gibt es auch Value-ETFs, welche einem die Arbeit abnehmen Value-Aktien selbst zu analysieren und bewerten.

Doch wie funktionieren Value-ETFs und welche sind die Besten? Das alles klären wir in diesem Artikel auf.

Was sind Value-Aktien?

Vielen sind die beiden konträren Begriffe Value und Growth aus der Finanzbranche bekannt. Trotzdem wollen wir nochmal den Begriff Value-Aktien zur Vollständigkeit definieren und von den Growth-Aktien abgrenzen.

Wenn man von Value-Aktien spricht, sollte man erst einmal die zugrundeliegende Anlagestrategie für diesen Aktientyp erklären: Das Value Investing.

Im deutschen auch wertorientiertes Anlegen genannt, verfolgt diese Anlagestrategie das Ziel in Unternehmen zu investieren die am Markt als unterbewertet gelten. Dabei werden verschiedene wirtschaftliche Kennzahlen herangezogen, um das Unternehmen und ihre Geschäftstätigkeiten zu analysieren und eine quantitative, wie auch qualitative Bewertung aufzustellen. Man spricht auch häufig davon, dass man nach den inneren Werten (auf englisch intrinsic value, manchmal auch fair value) eines Unternehmens investiert. Wenn nun nach einer Kennzahlenanalyse im Stile der wertorientierten Anlagestrategie eine Aktie als unterbewertet eingestuft wird, nennt man diese Value-Aktie.

Wie man schon sehen kann wird beim Value Investing ausschließlich mit ökonomischen Daten gearbeitet, was bedeutet dass dieser Anlageansatz ganz klar der Fundamentalanalyse zugehörig und sich daher klar von anderen Ansätzen, wie Ansätze im Bezug auf technische Analyse, abgrenzt.

Doch wo ist der Unterschied zu den Growth-Aktien und dem Growth Investing? Meist werden diese beiden Anlagestrategien als Gegensätze dargestellt, doch sind deren Unterschiede nicht so ungemein groß, wie zwischen dem Value Investing und der technischen Analyse. Beispielsweise sieht Warren Buffet keinen nennenswerten Unterschied zwischen Value und Growth. Growth Investing ist dabei ein Teil des Value Investings, da bei jeder Kennzahlenanalyse auch das Wachstumspotenzial eines Unternehmens miteinbezogen wird. 1

Im Grund gesehen sind Growth Aktien einfach nur Aktien, die ein enorm hohes Wachstumpotenzial (englisch Growth) bezogen auf den Umsatz und den Gewinn besitzen. Man glaubt dabei, dass das Unternehmen ihr Maximum noch gar nicht erreicht hat und deswegen die Aktie noch weiter steigen wird. Dabei muss der Investor durch tiefgründige Recherchen Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial finden, was sich selbst schon als große Herausforderungen und manchmal auch als “Guessing-Game” herausstellt.

Die herangezogen Kennzahlen beim Value Investing können verschiedener nicht sein. Zum einen gibt es die klassischen kursgebundenden Kennzahlen, wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis, das Kurs-Buch-Verhältnis, das Kurs-Cashflow-Verhältnis und die Dividendenrendite. Dabei schwören einige auf feste Zahlen, bei welcher eine Überschreitung die Unterbewertung einer Aktie vorhersagen würde. Zum anderen werden aber auch vermehrt Kennzahlen hinzugezogen, welche die Gesundheit des Unternehmens analysieren. Darunter zählen der Verschuldungsgrad, der Free Cash Flow und dessen Rendite oder aber auch die Anlagendeckung.

Dazu kommen noch weitere qualitative Merkmale, wie Informationen zum Management, dem Geschäftsmodell oder der Marktposition. Nach dem Sammeln und Auswerten aller Kennzahlen und Infos geht dann darum eine Art “Story zum Unternehmen” aufzubauen. Damit ist natürlich keine wirklich geschriebene Geschichte gemeint, sondern einfach ein rundes Ergebnis, dass darstellen soll, ob man die Aktie anhand der Merkmale und Kennzahlen als unterbewertet ansehen kann.

Value-ETFs: Wie funktionieren sie?

Die Kombination aus den Value-Aktien und ETFs sind die sogenannten Value-ETFs. Sie werden auch Value-Faktor-ETFs genannt, da sie zu der Klasse der Faktor-ETFs zählen. Faktor-ETFs sind normale ETFs, welche aber einen neuartigen Index abbilden, der anhand bestimmter Faktoren die enthaltenen Aktien anders gewichtet. Dabei verspricht man sich daraus, dass man langfristig höhere Renditen erzielen kann.

Unter vielen unterschiedlichen Faktoren gibt es eben den Value-Faktor, bei welchem unterbewertete Aktien höher gewichtet werden. Einige weitere nennenswerte Faktoren sind Momentum (Aktien mit Aufwärtstrend), Quality (Aktien mit starken und stabilen Gewinnen), Size (Aktien mit niedriger Marktkapitalisierung) oder auch Minimum Volatility (Geringe Schwankungen).

Manche ETF-Anbieter bieten neben Einzelfaktor-ETFs (ein Faktor wird berücksichtigt) auch Multifaktor-ETFs (mehrere Faktoren werden berücksichtigt) an. So führt der Anbieter iShares den iShares Edge MSCI World Multifactor UCITS ETF (A14YPA), welcher den klassischen MSCI World Index abbildet, aber dabei die Faktoren Value, Quality, Momentum und Size berücksichtigt und anhand desssen die Gewichtung verändert. In diesem Beispiel hat dies zur Folge, dass der Finanzsektor um 5 Prozentpunkte höher oder der Industriebereich um 4 Prozentpunkte niedriger gewichtet ist.

Beim Value-Faktor wird meist mit den drei Indikatoren Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Buch-Verhältnis und dem Unternehmenswert im Verhältnis zum operativen Cashflow gearbeitet. Falls nun anhand der drei Kennzahlen eine Aktie als gut bewertet wird, wird sie im Index höher gewichtet.

Leider werden keine weiterführenden Kennzahlen, wie die Free Cash Flow Rendite oder der Verschuldungsgrad genutzt, da diese nochmal besser zeigen würde, ob das Unternehmen gesund ist, dennoch kann man davon ausgehen, dass ETF-Anbieter, wie iShares un Xtrackers, bei der Auswahl dieser drei Kennzahlen wissen, wie präzise diese sind. Man kann zudem auch anhand der Top Positionen in den Value-ETFs erkennen, dass die klassischen Value-Aktien dort ganz oben stehen.

Im Folgenden wollen wir Ihnen nun eine Auswahl unserer Favoriten unter den Value-ETFs vorstellen.

Die besten Value ETFs

ETF-NameWKNRegionPositionenFondsvolumenTERAusschüttung
Xtrackers MSCI World Value ETFA1103EWelt/Entwickelte Welt4001,29 Mrd. EUR0,25%Thesaurierend
iShares Edge MSCI USA Value Factor ETFA2AP35USA1504,1 Mrd. EUR0,20%Thesaurierend
iShares Edge MSCI Europe Value Factor ETFA12DPEuropa/Westliches Europa1473,3 Mrd. EUR0,25%Thesaurierend
iShares Edge MSCI EM Value Factor ETFA2JJAQAufstrebende Märkte198203 Mio. EUR0,40%Thesaurierend

Xtrackers MSCI World Value ETF (A1103E)

Dieser ETF investiert in verschiedene Value-Aktien aus der ganzen Welt. Der zugrundeliegende Index basiert auf dem MSCI World Index, welcher nach einer wertbasierten Anlagestrategie gefiltert wurde. Dabei werden bestimmte Kennzahlen herangezogen, welche die Value-Aktien bestimmen (KGV, KBV, etc.)

Top Positionen: Intel, AT&T, Broadcom, Toyota, Cisco Systems

iShares Edge MSCI USA Value Factor ETF (A2AP35)

Auch dieser ETF konzentriert sich auch nur auf Value-Aktien und wendet eine wertbasierter Anlagestrategie an. Der Unterschied hierbei ist aber, dass bei diesem ETF nur in US-Unternehmen investiert wird. Das sind vor allem alteingesessene Technologie-Unternehmen wie AT&T.

Top Positionen: AT&T, Intel, Cisco Systems, Micron Technology, Ford

iShares Edge MSCI Europe Value Factor ETF (A12DP)

Der iShares Edge MSCI Europe Value Factor ETF investiert auschließlich in europäische Value-Aktien. Vor allem Unternehmen aus dem Gesundheitswesen, der Finanzbranche und der Industrie sind hier stark vertreten.

Top Positionen: British American Tobacco, Novartis, Roche, Sanofi, Shell

iShares Edge MSCI EM Value Factor ETF (A2JJAQ)

Auch auf den aufstrebenden Märkten, wie in China, Brasilien oder Taiwan, gibt es einige Value-Aktien in die es sich lohnt zu investieren. Dieser ETF umfasst alle wichtigen Value-Aktien aus den Emerging Markets, konzentriert aber hauptsächlich auf den asiatischen Markt, auch wenn mit Vale ein großes brasilianisches Unternehmen aufgeführt wird.

Top Positionen: Vale, TSMC, China Construction Bank, SK Hynix, Industrial and Commercial Bank of China

1 Warren Buffett: ‚Growth and value are part of the same equation‘, https://www.youtube.com/watch?v=rwC_5tB-5lI