Beschäftigt man sich mit dem Thema Geldanlage so stößt man unweigerlich auf den Term „Investieren“. Investieren Sie jetzt in Immobilien! Investieren Sie jetzt in Ihre Rente! Investieren Sie jetzt in die neuesten Technologien! Eine riesige Flut an Möglichkeiten, die auf den ersten Blick sicher erstmal überfordernd wirkt und bei der man sich früher oder später auch die Frage stellt: Wieso sollte ich überhaupt investieren?

Eine Investition zu tätigen, unabhängig in was, bedeutet zunächst einmal etwas abzugeben, um bestenfalls mehr von demselben oder einem anderen Gut wiederzubekommen. Die Chance also einen positiven Ertrag zu erzielen, verlangt per Definition zwingend eine anfängliche Abgabe, also eine Investition. Dies scheint bereits eine Urangst in vielen Menschen auszulösen. Wir möchten versuchen Ihnen im Folgenden einmal diese Angst zu nehmen und Ihnen am Beispiel von Kapitalmarktinvestitionen zeigen, wieso Sie überhaupt investieren sollten.

Nichts eignet sich für solch ein Ziel besser, als zunächst einmal mit alten Klischees und Vorurteilen aufzuräumen.

Der Kapitalmarkt wird von gierigen Bänkern regiert!

Ein Bänker ist gewissenlos, unmoralisch, gierig und arbeitet nur für seinen eigenen Profit. Das ist bei vielen wahrscheinlich immer noch das Bild eines Bänkers. Aus Erfahrung kann ich berichten, dass die Finanzbranche sehr wahrscheinlich immer noch die Industrie mit den größten Egos ist. Arbeiten Sie über lange Zeit hinweg in einer solch kompetitiven Umgebung und haben tagtäglich die Entscheidungsgewalt über Millionen- und Milliardenbeträge, wandeln sich viele Charaktere hin zu solchen, die wir eigentlich als Vorurteil in der Vergangenheit lassen wollten. Dennoch findet befindet sich auch diese Branche immer mehr im Wandel.

Wichtig zu verstehen ist außerdem, dass sich der Kapitalmarkt nicht von einzelnen Personen oder Gruppen regieren lässt. Wie das Wort bereits vermuten lässt, wird der Kapitalmarkt vom Kapital an sich regiert. Und dies bringen nicht die gierigen, reichen Bänker ein sondern hauptsächlich der private Anleger, der sein Erspartes über verschiedene Finanzinstrumente in den Markt einfließen lässt. Metaphorisch gesprochen ist der Bänker also nur der Henker, das Urteil und die Entscheidungsmacht liegt jedoch bei jedem einzelnen Anleger.

In der Finanzwelt wird man betrogen!

Je mehr Geld in einer Industrie im Umlauf ist, desto höher natürlich auch die Gier der Menschen und die damit verbundene kriminelle Motivation. Betrüge in der Finanzwelt sind für die Medien ein gefundenes Fressen und werden natürlich in aller Sorgfalt ausgeschlachtet. Wir erinnern uns dabei an Wirecard, Enron, Madoff und viele mehr.

Diese Ereignisse führten jedoch auch dazu, dass Kontrollorgane, Restriktionen und Vorschriften weiter ausgebaut wurden, um eine Wiederholung in der Zukunft bestmöglich zu vermeiden. Dennoch sollte man sich als Anleger darüber bewusst sein, dass solche Skandale in regelmäßigen Abständen immer wieder auftauchen werden.

Doch anstatt das System des Kapitalismus oder den Finanzmarkt für dies verantwortlich zu machen, sollte man sich überlegen wie man sich als Privatanleger am sichersten gegen solche Ereignisse aufstellen kann. Die Antwort lautet wie sooft Diversifikation. Als breit aufgestellter ETF-Investor hatte man im Sommer 2020 durch einen DAX-Index-ETF selbstverständlich auch die Wirecard in seinem Portfolio. Durch die breite Diversifikation der anderen 29 DAX-Aktien und weiterer geographisch gestreuter ETFs konnte der jeweilige Investor trotz des massiven Kursabsturzes am 12. Juni 2020 in der Nacht ruhig schlafen.

Sie selbst können sich also ohne zusätzlichen Aufwand gegen solche Einbrüche absichern, indem Sie über verschiedene Anlagestrategien und Finanzprodukte Ihr Portfolio gegen eben solche Risiken schützen.

Aktien sind gefährlich!

Besonders im deutschsprachigen Raum scheint sich die Akzeptanz für Aktien und andere Finanzprodukte noch kaum durchgesetzt zu haben. Immer wieder stoßen wir so auf die Ansicht, Aktien seien spekulativ und gefährlich. Oftmals hören wir diese These jedoch von Personen, die sich mit dem Thema offensichtlich noch nicht richtig auseinander gesetzt haben.

Hätten Sie nämlich einen geringen Zeitaufwand investiert, um sich einmal in dieses Thema einzulesen, wären Sie sicherlich auf die folgende bekannte Grafik gestoßen:

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Das bekannte „magische Dreieck“ visualisiert ziemlich vereinfacht, wie einzelne Attribute einer Kapitalmarktanlage zusammenhängen. Sichere Investments, die ebenfalls eine hohe Liquidität aufweisen, also schnell verfügbar sind, müssen Einbußen bei ihrer erwirtschafteten Rendite verzeichnen. Sehr liquide Investments mit einer hohen Rendite hingegen weisen einen Mangel an Sicherheit auf.

Diese Beziehungen lassen sich finanzmathematisch sowohl als auch intuitiv erklären. Stellen Sie sich also nun einmal ein Investment vor, welches außerhalb dieses Dreiecks liegt. Eine Anlage, die Ihnen eine sehr hohe Rendite verspricht, liquide ist und gleichzeitig sicher. Über dieses Investment könnte ja jeder auf dieser Welt einfach und ohne Risiko reich werden, in dem er immer und immer wieder sein Geld auf diese Art und Weise anlegt. Dass sich hieraus natürlich ein grundlegender Widerspruch ergibt, ist ersichtlich.

An der Wall-Street spricht man auch oftmals vom „No free lunch“ (engl. für „Kein gratis Essen“). Dies veranschaulicht den Fakt, dass es in der Finanzwelt eben nichts umsonst gibt. Möchte ein Investor also ein Investment mit hoher Rendite und hoher Liquidität, so muss er den Preis eben durch ein höheres Risiko seiner Anlage bezahlen. Ein Anleger hingegen, der ein Investment mit hoher Liquidität und Sicherheit präferiert, zahlt in der Regel den Preis durch eine deutlich geringere Rendite.

Ersichtlich wird also der Kompromiss, den jeder Anleger gemäß seinen Präferenzen eingehen muss. Deutlich wird aber auch, dass Aktien und Wertanlagen pauschal keinesfalls gefährlich sein müssen. Jeder Anleger auf dem Kapitalmarkt hat die Möglichkeit durch die von ihm gewählte Anlageform das Risiko seines Investments gemäß seinen Vorstellungen anzupassen.

Aktien sind unmoralisch!

Auch eine solche Pauschalaussage sollte nicht getroffen werden. Aktien und Finanzmarktanlagen können, aber müssen natürlich nicht, an eine individuelle Moralvorstellung geknüpft werden. So hat jeder Anleger ja selbst die Möglichkeit zu entscheiden, welche Unternehmen er mit seinem Investment unterstützen möchte und welche Industrien dabei eher außen vor bleiben sollten.

Über sogenannte ESG-Kriterien (Environmental Social Governance) rücken Anforderungen an umweltbewusste und sozial-verträgliche Unternehmen in den Vordergrund. Unter diesem Stichwort finden sich bereits unzählige ETFs und Anlageklassen, die sich auf Wertpapiere und Finanzinstrumente beschränken, die eben diese Kriterien erfüllen.

Da das Investieren in den letzten Jahren für Privatanleger immer unkomplizierter und transparenter geworden ist, hat jeder einzelne Investor so die Möglichkeit sich selbst Gedanken über eigene moralische und ethische Grundsätze zu machen und seine Anlagestrategie gemäß diesen auszurichten.

Nachdem wir nun hoffentlich mit einigen Klischees über das Investieren aufräumen konnten, möchten wir Ihnen im Folgenden einmal ein paar Gründe aufzeigen, warum man überhaupt mit dem Investieren anfangen sollte.

Inflation und Geldentwertung

Gerade in den letzten Monaten hören wir immer wieder in den Nachrichten aktuelle Meldungen über die steigenden Inflationszahlen in den USA und Europa. Während sich Ihre Großeltern wahrscheinlich noch Gedanken über die Silberfischchen gemacht haben, die die versteckten Bargeldvorräte unter der Matratze anfressen, müssen wir uns heute einem unsichtbaren, jedoch ebenso gefährlichen, Feind stellen.

Die Inflation nagt unerbittlich an unserem hart verdienten Geld und lässt uns kaum Möglichkeiten übrig, wie wir ihr entfliehen können. Egal ob wir das Bargeld unter unserem Kopfkissen, im Bankschließfach oder als Sichtguthaben auf unserem Konto lagern, vor der Entwertung durch die Inflation ist es nirgends sicher.

Um Ihnen einmal zu veranschaulichen wie real sich diese Gefahr in den heutigen Zeiten widerspiegelt, haben wir für Sie einmal das folgende Beispiel konstruiert.

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In der obigen Grafik finden Sie die aktuellen Inflationszahlen einzelner Länder für den November 2021. Die Inflationszahlen ergeben sich durch den Vergleich auf jährlicher (year on year; kurz YoY) Basis. Für deutsche Verbraucher bedeutet dies konkret, dass die durchschnittlichen Kosten Ihrer Ausgaben jährlich um 5.2% gestiegen sind. Dies ist äquivalent zu der Aussage, dass die Kaufkraft Ihres Geldes in diesem Jahr um 4.94% (=1-(100/105.2)) gesunken ist, sprich dass Sie sich in diesem Jahr für den gleichen Geldbetrag knapp 5% weniger leisten konnten, als es noch im Vorjahr der Fall war.

Nimmt man eine solche Inflationsrate für die nächsten Jahrzehnte einmal als konstant an, ergibt sich folgendes Bild:

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10.000€ auf Ihrem Konto heute werden in 10 Jahren nur noch knapp 6.023€, in 20 Jahren nur noch 3.638€ und in 30 Jahren nur noch 2.185€ wert sein. In 30 Jahren beträgt der Wert Ihrer initialen 10.000€ also gerade einmal noch knapp ein fünftel der Anfangssumme. Dies resultiert in 30 Jahren in einem Kaufkraftverlust von ganzen 78%.

Natürlich ist die Annahme, dass die Inflation für die nächsten drei Jahrzehnte auf diesem hohen Wert bleibt unrealistisch. Dennoch soll Ihnen dieses Beispiel veranschaulichen, dass Sie schlussendlich nur durch das „Nichtstun“ täglich, monatlich und jährlich Geld verlieren. Dieser Geldentwertungsfalle können Sie nur durch renditeorientiertes Investieren Einhalt gebieten. Ziel sollte es dabei sein als Investor jährlich höhere Renditen als die aktuelle Inflationsrate zu erzielen. Man spricht dann von einem inflationsbereinigten Gewinn.

Wie Sie also erkennen, bieten Investments den einzigen Weg der Inflationsfalle zu entkommen. Jeder Tag, jeder Monat und jedes weitere Jahr, dass tatenlos abgewartet wird, kostet Sie Geld.

Zeit ist Geld – Zinseszinssatzeffekt

Je früher Sie mit dem Investieren anfangen, desto besser. Dies ist nicht nur ein altbackener Motivationsspruch, sondern kann mathematisch sehr einfach begründet und veranschaulicht werden. Wir rechnen im folgenden Beispiel einmal mit einem initialen Investment in Höhe von 10.000€. Dabei gehen wir davon aus, dass dieses Investment jährlich durchschnittlich 6% Rendite erwirtschaftet (historisch realistische Annahme) und betrachten die Wertentwicklung des Portfolios auf zweierlei Weise.

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Der höher liegende Graph zeichnet die Wertentwicklung für den Fall ab, bei welchem Sie die 10.000€ initial investieren und für den Anlagezeitraum nicht mehr bewegen, also weder Einzahlungen noch Auszahlungen vornehmen.

Der tiefer liegende Graph zeichnet die Wertentwicklung ihres Gesamtgewinns ab, bei welchem Sie die 10.000€ initial investieren und die jährlich erwirtschafteten 600€ Rendite (=10.000*0.06) von ihrem Depot auszahlen und diese ausgeben.

In den ersten Jahren ergeben sich noch vergleichbar geringe Änderungen zwischen beiden Anlageformen. Bereits nach den ersten 10 Jahren jedoch hat Ihnen die erste Variante bereits knapp 2.000€ mehr Gewinn erwirtschaftet. Nach 30 Jahren Anlagehorizont beträgt diese Differenz bereits knapp 30.000€. Bei einem Investment, dass für die nächsten fünf Jahrzehnte angelegt wird, haben sich die Differenzen auf über 140.000€ kumuliert.

Dieser unglaubliche Zinseszinssatzeffekt lässt sich sehr einfach erklären. Nach dem ersten Jahr haben Sie auf Ihre 10.000 investierten € eine Rendite von 600€ erwirtschaftet. Ihr Portfoliowert beträgt zu Ende des ersten Jahres also 10.600€. Nach einem weiteren Jahr haben Sie folglich also eine Rendite von 636€ (=10.600€ * 0.06) erwirtschaftet, da sich die jährliche Rendite von 6% ja nun nicht mehr nur auf Ihre initial angelegte Summe, sondern ebenfalls auf die im letzten Jahr erwirtschaftete Rendite berechnet. Dieser anfänglich vernachlässigbare Effekt wird mit der Zeit unglaublich mächtig, wie wir Ihnen eben in der obigen Grafik veranschaulichen wollten.

Sprichwörtlich ist Zeit also definitiv Geld, da jeder Monat und jedes weitere Jahr ohne Investieren für Sie schlussendlich verlorene Rendite darstellt, welche sich über die Jahre zu einem mächtigen Berg an Zinseszinssätzen addiert hätte. Aus diesen Gründen empfehlen wir das Investieren bereits so früh wie möglich zu beginnen, um eben diesen Zeitwert des Geldes optimal nutzen zu können.

Aufbau eines passiven Einkommens

Macht Geld wirklich glücklich? Mittlerweile haben sich bereits unzählige Studien mit dieser Frage beschäftigt und sind immer wieder auf neue Erkenntnisse gestoßen. Für uns steht definitiv fest, dass Geld alleine sicherlich nicht glücklich macht. Dennoch gibt Geld die Möglichkeit sich selbst Freiheit zu erkaufen, welche dann wiederum definitiv glücklich machen kann.

Diese Freiheit definiert natürlich jeder etwas anders für sich. Der eine findet seine Freiheit im Reisen, der nächste findet sie darin von seinem Job unabhängig zu sein und ein anderer wiederum darin seine Liebsten abgesichert zu wissen. All diese Freiheitsbegriffe haben jedoch gemeinsam, dass man Sie durch eine gewisse finanzielle Stabilität erreichen kann. Und eben eine solche Stabilität ergibt sich nicht nur alleine durch einen guten Job, sondern hauptsächlich daraus, dass man sich mehrere unabhängige Einkommensquellen aufgebaut hat.

Wer hätte es gedacht – auch hier eignet sich das Investieren natürlich perfekt. Das wohl klassischste Beispiel ist das Dividendenportfolio. Hat man eine gewisse Summe in ein solches Portfolio oder einen solchen ETF investiert, kann man regelmäßige Dividendenzahlungen der einzelnen Unternehmen erwarten. So hat man bereits planbar in regelmäßigen Intervallen einen bestimmten Betrag zur freien Verfügung, den man eben durch solche Zahlungen erwirtschaftet.

Durch das Investieren hat man so die Möglichkeit sich neben seinem Beruf einen weiteren Einkommensstrom aufzubauen. Dabei gibt es nicht wenig Vorzeigebeispiele, die es über die Jahre geschafft haben, sich auf diese Art und Weise einen konstanten Strom an Einkommen zu erzeugen, der ihnen zum Leben mittlerweile mehr als ausreichen würde.

Spaß und Begeisterung

Geld ist nicht die ganze Welt und ein Hobby zu haben, dass einen wirklichen Ausgleich bietet, ist wahrscheinlich unbezahlbar. So kann man ebenfalls, neben dem zwanghaften Aspekt des Geldverdienens beim Investieren, genauso gut den Spaß an der Thematik in den Vordergrund stellen.

Die Finanzmarktwelt ist sicherlich unglaublich komplex, bei vielen Themen aber auch leicht und schnell zugänglich. Auf diese Art und Weise kann sich jeder Interessierte das Themengebiet rauspicken, dass Ihn eben gerade anspricht. Ebenfalls kann man für sich frei entscheiden, ob man das Spiel aus sicherer Entfernung von der Zuschauertribüne aus beobachtet oder sich selbst auf dieses Spielfeld traut.

So interessiert sich der eine eventuell für eigene Aktienanalysen und hat so die Möglichkeit seine Ideen am Markt auszuprobieren, der andere hingegen hat Spaß daran die Marktnews zu verfolgen und sich über die grundlegenden Funktionsweisen unserer Wirtschaft zu informieren und der nächste hingegen steigt mit vollem Interesse in statistisch und mathematisch anspruchsvolle Prozesse zur Modellierung und Bepreisung von Derivaten ein.

Aufgrund der unglaublichen Themenvielfalt sind wir davon überzeugt, dass jeder mit einem grundlegenden wirtschaftswissenschaftlichen Interesse das für sich passende Gebiet in der Finanzwelt findet und sich daraus eventuell ja sogar ein neues Hobby entwickeln kann.