Free-Cash-Flow

Der Free-Cash-Flow beschreibt die frei verfügbaren liquiden Mittel eines Unternehmens.
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Was Sie sich merken sollten

  • FCF = Operativer Cashflow – Investiver Cashflow
  • Berücksichtigt ausschließlich cash-relevante Größen
  • Wichtige Kennzahl für Aktienbewertungen

Definition

Der Free-Cash-Flow (engl. für freier Cashflow) umfasst die frei verfügbaren liquiden Mittel eines Unternehmens, die beispielsweise für Ausschüttungen wie Dividenden oder Aktienrückkäufe zur Verfügung stehen.

Der Free-Cash-Flow muss aus den Daten des Cashflow-Statements berechnet werden und wird meistens nicht explizit als einzelne Position aufgeführt.

Traditionelle Berechnung des FCF

Der Free-Cash-Flow berechnet sich durch Abzug des investiven Cashflows vom operativen Cashflow. Was es mit diesen Bestandteilen des Cashflow-Statements auf sich hat, haben wir für Sie in unserem Wiki-Eintrag über die Kapitalflussrechnung erklärt.

FCF = Operativer Cashflow – Investiver Cashflow

Unsere Berechnung des FCF

Unserer Meinung nach bietet die „traditionelle“ Berechnung des FCF keinen Mehrwert bezüglich des eigentlichen Informationsgehaltes dieser Kennzahl. Verwenden wir den Free-Cash-Flow eines Unternehmens so möchten wir über die freien liquiden Mittel informiert werden, die durch das tägliche operative Geschäft des Unternehmens entstanden sind.

Außergewöhnliche Einnahmen durch Dividenden anderer Unternehmen oder durch Desinvestitionen und den Verkauf eigener Sachanlagen sind meistens einmaliger Natur und verzerren den FCF, sofern man diesen auf „traditionelle“ Weise berechnet.

Um eben solche Verzerrungen zu vermeiden, approximieren wir den FCF wie folgt:

FCF = Net Income (Jahresüberschuss) + D&A (Abschreibungen und Amortisation) – CapEx (Capital Expenditures)

Beispielrechnung

Im Folgenden betrachten wir das CF-Statement der Bayer AG und berechnen mit Ihnen den Free-Cash-Flow auf beiderlei Arten. Die Kapitalflussrechnung können Sie im Geschäftsbericht 2019 auf Seite 140 finden.

Traditionelle Methode:

Das Ergebnis des operativen Cashflows finden sie im oberen Drittel der Kapitalflussrechnung fett markiert. Im Folgenden beschränken wir uns auf den Posten „Zu-/Abfluss aus operativer Geschäftstätigkeit“ der in 2019 8.207 Millionen € betrug.

Der „Zu-/Abfluss aus investiver Tätigkeit“ beschreibt den investiven Cashflow (ebenfalls fett gedruckt) und betrug im Jahr 2019 -671 Millionen €.

Folglich berechnet sich der FCF wie folgt:

FCF = 8.207 – 671 = 7.536 Millionen €

Unsere Methode:

Bei unserer Methode beginnen wir mit dem Jahresüberschuss der betrachteten Periode. Dieser Ausgangspunkt findet sich meistens noch einmal explizit in der ersten Zeile der Kapitalflussrechnung. Ansonsten können Sie diesen Wert ebenfalls in der Gewinn- und Verlustrechnung nachschlagen. In unserem Fall beträgt der Wert für 2019 2.430 Millionen €.

Hinzu addieren wir den Posten „Abschreibungen und Wertminderungen“ in Höhe von 5.365 Millionen € für das Jahr 2019. Diesen Posten finden wir in den ersten Zeilen der Kapitalflussrechnung, da dieser in das Ergebnis des operativen Cashflows berechnet wird.

Die Capital Expenditures finden wir im investiven Cashflow, da es sich hierbei um Investitionen des Unternehmens in neue Gebäude, Produktionsanlagen etc. handelt. Im Fall unseres vorliegenden Geschäftsberichtes finden wir „Ausgaben für Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte“ in Höhe von -2.650 Millionen € für 2019 vor.

Der FCF berechnet sich also wie folgt:

FCF = 2.430 + 5.365 – 2.650 = 5.145 Millionen €

Vergleich:

Wie Sie schnell bemerken ist der von uns berechnete FCF deutlich geringer, als der FCF der traditionellen Methode. Werfen wir noch einmal einen Blick in die Kapitalflussrechnung wird auch schnell deutlich wieso dies so ist. Einzelne Positionen wie beispielweise die „Einnahmen aus Desinvestitionen abzüglich übertragener Zahlungsmittel“ in Höhe von 2.546 Millionen € erhöhen den investiven Cashflow positiv und erhöhen damit den daraus berechneten Free-Cash-Flow.

Eben genau solche Positionen stellen unserer Ansicht nach Verzerrungen dar. Bewerten wir den Bayer Konzern so möchten wir wissen wie hoch der Free-Cash-Flow ist, den der Konzern auf Basis seines Kerngeschäftes erwirtschaftet hat und nicht wie in diesem Beispiel durch Einnahmen aus Desinvestitionen. Da sich bei den meisten Unternehmen solche Verzerrungen in der Kapitalflussrechnung finden lassen, vertrauen wir bei unseren Aktienbewertungen auf unsere FCF-Berechnung.

Vorteile des FCF

Der Free-Cash-Flow ist für uns als Investoren eine unverzichtbare Kennzahl. Im Gegensatz zu Kennzahlen aus der Gewinn- und Verlustrechnung ist der FCF weniger durch Bilanzierungs- und Accountingregeln verzerrt und gibt ausschließlich Auskunft über cash-relevante Größen. So können wir bei Betrachtung eines Unternehmens realistisch abschätzen wieviel frei verfügbare liquide Mittel das Unternehmen innerhalb einer Periode generiert hat.

Felix Götz

Felix Götz

Felix ist angehender B.Sc. in Wirtschaftswissenschaften mit Studienschwerpunkt internationale Finanzökonomik. Schon bei unterschiedlichen Praktikas bei Größen in der Finanzbranche konnte er sein tiefgreifendes Finanzwissen unter Beweis stellen. Bei Aktienchecker ist er vor allem für die Erstellung von Artikeln zuständig.

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