Kurs-Gewinn-Verhältnis

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt Aufschluss über den Kurswert relativ gesehen zu den erwirtschafteten Gewinnen einer Firma.
kurs-gewinn-verhältnis definition

Was Sie sich merken sollten

  • Setzt den Aktienkurs mit den Gewinnen der Firma ins Verhältnis
  • Kann im Branchenvergleich zur Bewertung von eventuellen Über- und Unterbewertungen herangezogen werden
  • Sollte niemals als alleinstehende Entscheidungskennzahl betrachtet werden

Definition

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (englisch: P/E – Price to Earnings Ratio), kurz KGV, ist eine Kennzahl, die den Aktienkurs einer Aktie mit dem erwirtschafteten Gewinn pro Aktie ins Verhältnis setzt.

KGV = K / G

K bezeichnet hierbei den Kurswert, also den Aktienkurs der Aktie und G den jeweiligen Gewinn pro Aktie.

Den Gewinn pro Aktie erhalten Sie, wenn Sie den Jahresüberschuss aus der Bilanz des Unternehmens durch die aktuelle Anzahl an, sich im Umlauf befindlichen, Aktien teilen.

Statt dem Jahresüberschuss kann man auch das EBIT pro Aktie zur Betrachtung heranziehen. Auf diese Weise gewährt man eine etwas höhere Vergleichbarkeit zwischen unterschiedlichen Aktiengesellschaften, da man mit dem EBIT die Earnings before Interest and Taxes betrachtet und somit etwaige Differenzen durch unterschiedliche Steuersätze ausschaltet.

Rechenbeispiel und Interpretation

Im Folgenden betrachten wir die Bilanz der Bayer AG und veranschaulichen eine simple Berechnung des KGV. Die Gewinn- und Verlustrechnung können Sie im Geschäftsbericht 2019 auf Seite 135 finden.

Für den Aktienkurs der Bayer AG betrachten wir den 200-Day Moving Average als ungefähren Durchschnittswert. Dieser liegt aktuell bei 50,74 € pro Aktie.

Aus der letzten Position der Gewinn- und Verlustrechnung lesen wir den Posten „Ergebnis je Aktie aus fortzuführendem und nicht fortgeführten Geschäft“ heraus → 4,17 € pro Aktie.

KGV = 50,74 / 4,17 = 12,17

Dieses Kurs-Gewinn-Verhältnis würde bedeuten, dass Bayer AG 12,17 Jahre brauchen würde, um den Wert seiner Aktien als Jahresüberschuss/Gewinn zu erwirtschaften.

Ein sehr hohes KGV könnte also ein Anzeichen einer überbewerteten Aktie sein, während ein ungewöhnlich niedriges KGV auf eine Unterbewertung hinweisen könnte.

Hier erkennen Sie bereits, welche großen Spielräume ein KGV zulässt. So macht es einen großen Unterschied, ob Sie nur das Ergebnis pro Aktie aus fortgeführtem Firmengeschäft betrachten oder das gesamte Ergebnis pro Aktie. Auch die Verwässerung der Aktien (zwar nicht in diesem Beispiel) führt nochmals zu unterschiedlichen Ergebnissen. Sie werden also auf 5 verschiedenen Internetseiten mindestens 4 verschiedene Ergebnisse zum KGV einer Firma finden.

Möchten Sie das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Grundlage des EBIT der Firma ermitteln, gehen Sie folgendermaßen vor. In der Gewinn- und Verlustrechnung von Bayer AG finden sie relativ mittig das fett gedruckte Wort „EBIT“, oftmals auch als Betriebsergebnis bezeichnet → 4.189 Millionen €. Dies muss jetzt auf die Anzahl der Aktien geteilt werden. Die aktuelle Anzahl an Aktien im Umlauf finden Sie entweder sehr leicht im Internet oder Sie scrollen auf Seite 173 des Geschäftsberichts 2019. Dort finden Sie in der kleinen Tabelle die gewichtet durchschnittliche Anzahl der Aktien → 981,69 Millionen Stück.

EBIT pro Aktie = 4,189 / 981,69 = 4,27 € pro Aktie

KGV nach EBIT = 50,74 / 4,27 = 11,88

Logischerweise ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis, welches auf Grundlage des EBIT ermittelt wurde, kleiner als das KGV nach Jahresüberschuss. Dies liegt darin begründet, dass im EBIT noch nicht die zu zahlenden Einkommenssteuern der Firma abgezogen sind. Möchte man jedoch Firmen unterschiedlicher Länder und Steuersätze vergleichen, so lohnt es sich das EBIT als Grundlage der Bewertung zu verwenden.

Kritik am KGV

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist wohl die am häufigsten benutzte Kennzahl. Besonders für Neulinge scheint diese Methode der „Bewertung“ sehr attraktiv, da die KGV vergleichsweise leicht zu verstehen und zu berechnen ist. Doch der Schein trügt. Wie oben bereits angesprochen kann das KGV durch viele Faktoren beeinflusst werden. So hängt beispielsweise der Jahresüberschuss des Unternehmens von vielen bilanzpolitischen und steuerrechtlichen Faktoren ab.

Auch hinsichtlich der Bewertung von Start-Ups liefert das KGV viele falsche Signale. Hat ein junges Unternehmen beispielsweise negative „Gewinne“ vorzuweisen, versagt das KGV.

Ein weiterer Nachteil ergibt sich durch die Berücksichtigung des Aktienpreis des Kurs-Gewinn-Verhältnis. Verkaufen viele Investoren ihre Aktie, so sinkt der Aktienkurs und das KGV ebenso. Das niedrige KGV könnte als Interpretation gewertet werden, die Aktie sei unterbewertet, obwohl sich nichts an der eigentlichen Performance des Unternehmens geändert hat.

Viele „Finanzgurus“ versuchen auch Kauf- und Verkaufsentscheidungen aufgrund des Kurs-Gewinn-Verhältnisses zu fällen. Dabei setzen sie sich, oftmals willkürlich, klare Grenzwerte. Ein KGV von unter 15 soll eine Kaufempfehlung implizieren und ein KGV größer als 20 hat eine Verkaufsempfehlung zur Folge. Dass Sie mit dieser Taktik wahrscheinlich mehr Verluste als Gewinn einfahren dürften, sollte den meisten klar sein.

Deswegen unser Rat: Das KGV sollte niemals als alleinstehende Zahl genutzt werden, um sich für oder gegen eine Investition in ein Unternehmen zu entscheiden. Ziehen Sie das KGV gerne im Branchenvergleich zu Rate, so wie wir in unseren Aktienanalysen. So können Sie sich ein grobes Bild darüber machen, welche Werte sich bei ähnlichen Firmen in derselben Branche vorfinden. Und ein kleiner Tipp zum Abschluss: Auch Unternehmen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 20 können ein profitables Kaufinvestment darstellen, also vertrauen Sie nicht einfach auf irgendwelche Zahlen, die Sie irgendwo gelesen haben.

Felix Götz

Felix Götz

Felix ist angehender B.Sc. in Wirtschaftswissenschaften mit Studienschwerpunkt internationale Finanzökonomik. Schon bei unterschiedlichen Praktikas bei Größen in der Finanzbranche konnte er sein tiefgreifendes Finanzwissen unter Beweis stellen. Bei Aktienchecker ist er vor allem für die Erstellung von Artikeln zuständig.

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