Verschuldungsgrad

Der Verschuldungsgrad eines Unternehmens setzt das Fremdkapital eines Unternehmens zu seinem Eigenkapital ins Verhältnis und stellt somit eine Kennzahl zur Bewertung der finanziellen Stabilität dar.
verschuldungsgrad definition

Was Sie sich merken sollten

  • Kennzahl zur Bewertung der finanziellen Stabilität
  • Setzt die Fremdkapital zu Eigenkapital ins Verhältnis
  • Dynamischer Verschuldungsgrad bezieht sich auf den Cash-Flow eines Unternehmens

Definition

Der Verschuldungsgrad eines Unternehmens, oftmals auch als „leverage ratio“ bezeichnet) ist eine Kennzahl zur Beurteilung der finanziellen Stabilität eines Unternehmens. Dabei wird das Fremdkapital des Unternehmens zu seinem Eigenkapital ins Verhältnis gesetzt.

Dabei gilt natürlich je höher der Verschuldungsgrad, desto höher das Risiko einer Insolvenz oder eines Kreditausfalls.

Verschuldungsgrad = Fremdkapital / Eigenkapital * 100

Das Fremdkapital eines Unternehmens lässt sich dabei relativ einfach aus der Summe der, in der Bilanz ausgewiesenen Positionen, „Langfristiges Fremdkapital“ und „Kurzfristiges Fremdkapital“ berechnen.

Vereinfachtes Beispiel

Im Folgenden betrachten wir die Bilanz der Bayer AG und veranschaulichen eine simple Berechnung des Verschuldungsgrades. Die Bilanz können Sie im Geschäftsbericht 2019 auf Seite 137 finden.

Auf der Passiva-Seite der Bilanz finden wir (ungefähr in der Mitte der Auflistung) den Posten Eigenkapital. Für die Berechnung betrachten wir den gesamten Anteil → 47.517 Millionen €.

Direkt darunter finden wir die Position „Langfristiges Fremdkapital“ mit einem Betrag von 55.526 Millionen €. Darunter stoßen wir dann auf die Position „Kurzfristiges Fremdkapital“ mit einem Betrag von 78.651 Millionen €.

Es ergibt sich also ein gesamte Fremdkapitalsumme von 103.043 Millionen €.

Folglich beträgt der Verschuldungsgrad = 78,651 / 47,517 * 100 = 165,52

Erweiterung – Der dynamische Verschuldungsgrad

Der dynamische Verschuldungsgrad stellt die Nettoverbindlichkeiten gegenüber des erwirtschafteten Cash-Flows ins Verhältnis.

Die Nettoverbindlichkeiten stellen dabei die Differenz aus Fremdkapital abzüglich der liquiden Mittel wie Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente (z.B. Cash, Guthaben, Schecks oder kurzfristige Festgeldkonten).

Eine etwas einfachere Version des dynamischen Verschuldungsgrades setzt nur das Fremdkapital, ohne Abzug der liquiden Mitteln, mit dem Cashflow ins Verhältnis.

Vereinfachter dynamischer Verschuldungsgrad = Fremdkapital / Cashflow * 100

Dynamischer Verschuldungsgrad = Nettoverbindlichkeiten / Cashflow * 100 = Fremdkapital – liquide Mittel / Cashflow * 100

Beide Methoden erlauben jedoch eine ziemlich ähnliche Interpretation. Der dynamische Verschuldungsgrad gibt Aufschluss darüber, wie lange es bei gleichbleibenden Cashflows dauern würde, die Verschuldung des Unternehmens abzubauen. Ein Verschuldungsgrad von 300 % würde eine Dauer von 3 Jahren implizieren.

Wir betrachten erneut die Bilanz der Bayer AG und veranschaulichen eine Berechnung des dynamischen Verschuldungsgrades. Dazu benötigen Sie primär das Cash-Flow Statement des Geschäftsbericht 2019, welches auf Seite 140 zu finden ist.

Das Fremdkapital ist dasselbe, welches auch für die Berechnung des normalen Verschuldungsgrads benutzt wurde → 78.651 Millionen €.

Die liquiden Mittel bilden die letzte Position des Cash-Flow Statements (können übrigens auch über die Aktivaseite der Bilanz gefunden werden) → 3.185 Millionen €.

Als Cash-Flow verwenden wir für die Rechnung den operativen Cash-Flow. Dieser ist im Cash-Flow Statement etwas weiter oben, unter der Position „Zu-/Abfluss aus operativer Geschäftstätigkeit“ zu finden → 8.207 Millionen €.

Vereinfachter dynamischer Verschuldungsgrad = 78,651 / 8,207 * 100 = 958,34

Dynamischer Verschuldungsgrad = 78,651 – 3,185 / 8,207 * 100 = 919,53

Bayer müsste seinen Betrieb bei gleichbleibendem Cashflow also über 9 Jahre weiterführen, um seine Verschuldung vollständig abzubauen. Der dynamische Verschuldungsgrad, der die Nettoverbindlichkeiten in Betracht zieht, ist logischerweise etwas niedriger, da die liquiden Mittel einer Firma ja sofort zum Abbau der Verschuldung genutzt werden könnten.

Felix Götz

Felix Götz

Felix ist angehender B.Sc. in Wirtschaftswissenschaften mit Studienschwerpunkt internationale Finanzökonomik. Schon bei unterschiedlichen Praktikas bei Größen in der Finanzbranche konnte er sein tiefgreifendes Finanzwissen unter Beweis stellen. Bei Aktienchecker ist er vor allem für die Erstellung von Artikeln zuständig.

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